Komm, setz dich doch …

 

stumble and fall

 

Ich stolpere und falle zu Boden. Diese verdammten Steine. Meine Lunge brennt, ich bekomme kaum noch Luft. Ich drehe mich nicht um. Warum dem Grauen ins Angesicht blicken, wenn es unzweifelhaft ist. Ich weiß es, sie ist hinter mir. Der modrige Gestank dringt in meine Nase. Sie füllt meine Lunge mit ihrem faulen Atmen. Ekel steigt in mir empor, nimmt Besitz von meinem ganzen Körper. Ich möchte raus. Raus aus mir. Alles in mir wehrt sich. Ich möchte nicht mehr gegen das Unvermeidliche ankämpfen. Es wäre ein Leichtes stehen zu bleiben. Es wäre nur ein kurzer Augenblick. Nur ein Wimpernschlag und alles wäre vergessen. So leicht im Grunde. Doch ich stehe auf und meine Beine beginnen wieder zu laufen, angetrieben vom Urinstinkt, der uns Lebewesen allen innewohnt. Ich laufe seit Stunden quer durch diese Wüsten, geschaffen aus Sand und Geröll. Steine und kleine Felsen erschweren meinen Weg. Die Glut der Sonne versucht wohl ernsthaft, die Steine zum Schmelzen zu bringen. Doch meine Haut wird der Hitze vorher zum Opfer fallen. Ich brenne. Meine Lungen und nun meine Haut. Sie wird verkohlen. Ich höre es lodern. Ich will nicht mehr weiterlaufen. Ich möchte mir meinen Tod selbst aussuchen können.

 

Meine Augen, sie spielen mir wohl einen Streich. Ein weißes Haus. Es ist das weiße Haus aus meinen Träumen. Ist der Tod nur ein einziger Traum? Ist das alles? Nur ein Traum? Ein Haus. Wartet der darin? Ich will eintreten, ja. Bitte warte auf mich. Ich beeile mich. Meine Beine können nicht schneller. Ich bin gleich da. Die Stufen zur Veranda hoch. Nicht stolpern. Der riesige Schatten über mir. Das Maul öffnet sich. Es will mich verschlingen, doch gerade sein widerlicher Atem ist es, der mir mir die Kraft gibt. Ich reiße die Tür auf. Sie fällt hinter mir zu. Ich drücke mich dagegen. Doch es bleibt ruhig. Gibt sie so leicht auf? Bin ich ihr nichts wert? Bin ich nur eine Beute von vielen. Ein seltsames Gefühl von Eifersucht beschleicht mich.

»Hast du sie gesehen?«

»Nur ihren Schatten.«

»Es freut mich, dass du es hierher geschafft hast. Nicht alle schaffen es.«

»Was meinst du?«

»Hierher zu mir. Sie schaffen es nicht. Sie scheitern. Sie scheitern an ihrem eigenen Verstand; oder besser, was davon noch übrig ist. Hast du dich gar nicht umgedreht?«

»Nein, ich wusste doch, dass sie da ist. Habe sie gespürt. Ihren Atem auf meiner Haut gespürt. Ich weiß von ihren gierigen Augen, ohne jemals in diese geblickt zu haben.«

»Komm, setz dich doch. Du musst erschöpft sein. Ich habe nicht viel Besuch. Nicht, dass ich eine große Gästezahl schätze. Doch auch mir ist die Einsamkeit nicht fremd.«

»Danke. Kommt sie wieder?«

… will be continued

© Svea Kerling

Bild: http://bibi.ougenpeyn.de/

 

 

 

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