Der Tellerrand liegt im Norden.

 

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Nie Ohne Seife Waschen. Norden, Osten, Süden, Westen. Wer kennt diese Eselsbrücke nicht? Ohne sie wäre ich im Geografie-Unterricht vollkommen verloren gewesen. Norden war für mich immer oben. Immer gerade oben mittig. Immer in der Richtung, in die ich blickte. Natürlich bin ich heute schlauer. Wäre ja schlimm, wenn nicht. Die Sache mit der Hoffnung … Ich weiß mittlerweile, dass ich in viele Richtungen blicken kann und meine Blickrichtung nicht immer zwangsläufig Norden ist.  Auch im Norden scheint die Sonne. Sagt man. Der Norden bedeutet nicht zwangsläufig Kälte, Eis, Schnee und Hundeschlitten. Tja, ich bin schon ziemlich ausgeschlafen. Nur nicht am Morgen. Doch es braucht noch eine Weile, bis ich mich mit meiner Tochter in Geografie messen kann. Zu meiner Verteidigung, sie ist seit nunmehr zwei Jahren Pfadfinderin und somit nicht zu unterschätzen. Sollte ich mit jemandem im Wald verloren gehen, dann bitte mit ihr.

Norden. Finnland? Meine Nichte möchte unbedingt nach Finnland. Sie ist prächtige 15 Jahre, in voller pubertärer Blüte und Reife. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Und in jenen trüben Momenten möchte sie nach Finnland.

„Laut Studien, soll es dort die depressivsten Menschen geben. Auch die meisten Selbstmorde.“

„Oh ja, wahnsinnig toll (Sarkasmus off). Dann ab nach Lappland. So ein Robbenfell soll schmeichelnd die Figur umspielen.“ „Finnland, Tante, nicht Lappland.“

„Sorry, aber du weißt, ich war noch nie gut in Geografie.“

„Heißt Batman auf Schwedisch nicht Läderlappen?“

„Bitte, du bist so peinlich.“

„Okay, okay, ich verstehe. Ich bin schon ruhig.“

Diskussionen mit 15-jährigen Teenagern versuche ich nach Möglichkeit, je nach Tageszeit und Befinden, zu vermeiden.

„Und du weißt schon, dass es in Finnland auch früh finster wird?“

Ich denke laut: „Wen kümmert es? Sonne macht mich ohnehin depressiv und Falten macht sie auch.“

Das nördlichste Ziel, das wir just vor Augen haben, ist die Fahrt zum IKEA. Ja, da hat man sich etwas gedacht dabei. Nein, ich war niemals im Schweden. Aber ich mag Schwedenbomben. Nein, ich rede nicht von den blonden Augenweiden, den feuchten Traum vieler Männer. Auch nicht von den blonden, schwedischen Hünen Olaf und Lasse. Ich meine gezuckerten Eisweißschaum in Schokolade auf Keksboden. Auch Mohrenkopf, Negerkuss…. Aber bitte jetzt keine politische Diskussion.

Norden: Kalt

Süden: Warm.

So einfach? Was lernen wir daraus?

Auf jeden Fall lernen wir mehr als in der Schule. Die wahre Schule findet ohnehin nicht im Schulgebäude statt. Das wahre Lernen findet nach der Schule statt. Es findet vor der Schule statt. Neben der Schule, unten, oben……. Dann, wenn das Leben uns einholt. Ob wir von Süden nach Norden, oder von Norden nach Süden fliehen….

Es ist so egal, das Leben wartet schon auf uns. Es ist am Ziel, noch bevor wir uns selbst dessen bewusst werden.

Es ist nicht alles Norden, was oben ist. Es ist nicht alles kalt, was Norden ist. Treten wir einen Schritt zurück. Schauen wir über den Tellerrand. Die Richtung ist hier egal, wir werden in jeder Ecke (vorausgesetzt es ist ein eckiger Teller) Neues entdecken, wir werden uns neue Fragen stellen. Wir werden vielleicht erstmals Antworten finden, auf Fragen, die wir nie gestellt haben. Seien wir doch einfach neugierig. Seien wir mutig. Seien wir menschlich.

skål

 

© Svea Kerling

 

https://pixabay.com/de/nacht-sterne-mond-gro%C3%9Fer-b%C3%A4r-913046/

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2 Antworten zu “Der Tellerrand liegt im Norden.

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