Der hungrige Schmerz …

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Ein tiefer Schmerz, ganz tief in meiner Seele.

Er lauert. Er lauert darauf, mir weh zu tun. Er lauert darauf, emporzusteigen aus den Tiefen der Hölle, die in meinem Innersten brennt. Dieser Schmerz, kaum aushaltbar. Ich versorge ihn gut – mit Kummer und Pein. Unermessliche Qual ist es, mit der ich ihn füttere und an der er sich noch immer labt. Ich höre ihn schmatzen, er ist ein Genießer, streckt seine Krallen aus. Er will mehr. Mehr davon. Immer mehr. Unersättlich, sein Verlangen nach immer neuen Wunden. Er verlangt nach ihnen, er verlangt nach mir. Er begehrt mich. Er kaut langsam, damit der Geschmack lange erhalten bleibt; würzt seine Leibspeise mit Schrecken und Angst. Es ist meine Angst. Angst davor, hinzusehen, wie er vor lauter Freude seine Fratze zeigt, sein Geifer aus seinen Mundwinkeln tropft, voller Vorfreude. Er lacht mir ins Gesicht. Ich sehe ihn grinsen. Es wechselt seine Gestalt, doch ich erkenne ihn an seiner Gier, die körperlich zu spüren ist. Sie liegt wie ein Totenschleier über seinem Opfer. Über mir. Sein Magen knurrt. Er hat Hunger, will gefüttert werden. Er will noch mehr, mehr von mir. Doch nicht hastig, nein. Stück für Stück. Langsam, mit Bedacht. Er spreizt seine Finger. Mit seinen Teufelskrallen fasst er nach mir. Ich schaue gebannt und kann nicht weglaufen. Mein Atem stockt. Ich bin starr, nicht in der Lage, mich zu bewegen. Leblos.

Ich möchte schreien, doch es gelingt mir nicht.

 

 

Auszug „Der Schmerz“ aus meinem 1. Buch Schwarz oder Weiß, Borderliner kennen kein Grau

Bild von der wunderbaren Künstlerin Bianca Maria Samer

 

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