Ich bin die Welle …

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Ob sie einfach gegen den nächsten Baum fahren sollte? Aus freien Stücken oder einfach aus dem banalen Grund, weil Tränen ihr jegliche Sicht nahmen? War es so einfach? Konnte es so schnell gehen?

Lärm näherte sich. Wellenartig. Grollend. Bedrohlich. Die Welle wuchs, nahm immer mehr an Gewalt zu. Durchdringend. Tobend. Unheilvolles Grölen durchstieß ihr Gehirn, drang immer weiter vor, nur aus einem Grund. Um sich in ihrem ganzen Körper auszubreiten und zu bezwingen. Wie eine fremde Spezies drang das Brüllen in ihren Körper ein. Nichts sollte ihr mehr bleiben. Alles Selbst war dem Untergang geweiht. Begraben unter einer gewaltigen, unheilbringenden Welle. Sie war in ihr. Sie wurden eins.

»Aber natürlich … Ich bin die Welle.«

Sie hatte keine Angst mehr. Keine Furcht davor, gegen einen Felsen zu schlagen. Der Fels konnte ihr nichts anhaben. Nichts mehr. Er war es, der sich zu fürchten hatte. Vor ihr. Denn sie war nun diejenige, die mit voller Wucht gegen die Klippe schlug. Immer und immer wieder. Monatelang. Jahrelang. Jahrzehnte. Jahrhunderte. Solange bis von ihm nicht mehr übrig blieb als ein Stein. Ein winziger Stein. Sand. Ein Häufchen Elend, das irgendwann durch Kinderhände rieselte.

©Svea Kerling

https://pixabay.com/de/landschaft-himmel-dunkel-wolken-342149/

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2 Antworten zu “Ich bin die Welle …

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