Ein letzter Atemzug …

Die angenehmsten Menschen sind jene,
die nie gelebt haben. (E. A. Poe)

EHS_2176 sw Drama

Sie hielt die Luft an, um besser in den Wald zu hören. Deutlich vernahm sie des Menschen letzten Atemzug. Ganz leise. Niemand anders konnte sein Wimmern mehr hören. Niemand sonst hätte sein Wehklagen hören wollen. Nur sie.

Sie kannte diesen Blick. Der Blick, wenn man sich dazu entschließt, sein Leben gehen zu lassen. Es war jener Augenblick, in dem man sich der Ausweglosigkeit bewusst wird. Dann, wenn man die Aussichtslosigkeit in sich aufnimmt. Wenn das Leben dem Tod Platz macht. Wenn es sich bereitwillig und aus freiem Willen zurückzieht.

Ein letzter Kampf, ein letztes Aufbäumen, bis man es endlich verinnerlicht hat. Ein letzter quälender Atemzug, nur um dann endlich loszulassen. Das Leben freizulassen und ihn willkommen zu heißen. Ihn, nach dem sich zu diesem Zeitpunkt alles in einem gequälten Körper sehnt: Den Tod.

Der Tod will nur eines: Jene, die nach ihm rufen und ihn darum bitten, von den Schmerzen zu befreien. Er kommt als das, was er ist. Als ein treuer Gefährte. Als eine Erlösung. Das Ende ist immer gleich. Es sind nur Nuancen, die sich voneinander unterscheiden. Ein bisschen höher, bisschen länger, klein wenig kürzer. Lauter, leiser. Doch nie ist er auch nur um eine Spur gnädiger.

© Svea Kerling

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6 Antworten zu “Ein letzter Atemzug …

  1. “Die Vogelscheuche des Todes, die Tingeltangel des Jenseits, der Schiffbruch der noch so schönen Vernunft im Meer der Gleichgültigkeit, der lastende Vorhang der Zukunft, (…), die Spiegel des Unbeständigen, die unüberwindbare, hirnbespritzte Mauer des Geldes, diese allzu erschütternden Bilder der menschlichen Katastrophe sind vielleicht nur Bilder. Alles läßt uns glauben, daß es einen bestimmten geistigen Standort gibt, von dem aus Leben und Tod, Reales und Imaginäres, Vergangenes und Zukünftiges, Mitteilbares und Nicht-Mitteilbares, Oben und Unten nicht mehr als widersprüchlich empfunden werden. Indessen wird man in den Bemühungen des Surrealismus vergeblich einen anderen Beweggrund suchen als die Hoffnung, eben diesen Standort zu bestimmen. Das beweist zur Genüge, wie unsinnig es wäre, ihm lediglich eine destruktive oder konstruktive Bedeutung zuzuschreiben: der fragliche Punkt ist a fortiori derjenige, wo Konstruktion und Destruktion nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden können.”
    André Breton, Zweites Manifest des Surrealismus (1930).

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  2. Pingback: Ein letzter Atemzug … – Trotz alledem

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