Ach, es ist ein Dilemma …

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»… der Weg allen Sterbens. Wohin führt er?«

»Sind wir nicht alle Lebende und Sterbende zugleich?«

»Beeindruckend, Das sind wir. Was gibt es Verwerfliches daran, einen geliebten Menschen in Würde ziehen zu lassen? Dann, wenn alles Irdische ihn wegstößt.«

»Sie haben Angst.«

»Die Angst lähmt unser Denken. Was nicht sein darf, gibt es nicht.«

»Was es nicht gibt, das macht uns somit keine Angst?«

»Weit gefehlt. Es beißt sich der Hund in den eigenen Schwanz. Es ist ihre eigene Angst, die sie fürchten. Menschen erschaffen Monster, wo es keine gibt. Sie selbst hauchen den Monstern Leben ein. Sie erschaffen ihre Monster selbst. Aus Angst. Sie füttern ihre Monster. Mit Angst. Sie werden süchtig danach. Süchtig nach Angst. Die Monster vermehren sich. Nehmen überhand. Schließlich sind es die Monster selbst, die ihre Erschaffer füttern.«

 

Ach, es ist ein Dilemma.

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Beute …

„Die Vorhänge zur Straße hin sind zugezogen.

Ich ertrage es nicht mehr: das Leben.

Ich ertrage die Menschen nicht mehr.

Ich ertrage ihre Gesichter nicht mehr.

Ich will sie nicht. Ich sehe ihre Münder, wie sie scheinheilig Worte formen. Ihre Lippen, wie sie sich zu einem fadenscheinigen Lächeln verformen. Ihre Augen suchen nach Beute. Nach Beute, die sich nicht wehren kann. Beute, verwundet und verletzt. Vom Leben verstoßen, vom Tod ungeliebt. Es gibt keinen Ausweg. Wohin fliehen? Ich bin leichte Beute, unfähig zu fliehen. Ich winde mich. Noch.

Möchten sie mir doch endlich den Todesstoß versetzen.

Es raschelt an der Tür. Post. Ein Brief rutscht durch den schmalen Schlitz. Er segelt zu Boden und landet auf der Spitze des Stapels. …“

© by Svea Kerling

 

Nie und nimmer …

„Das würde mir nicht im Traum einfallen …“

Nie und nimmer …

Shit, doch würde es. Tut es.

Ich träume jede Nacht davon, wie eine kleine niedliche Sternenstaub-Barbie mit ihren kleinen süßen Fingerchen dir dein verdammtes Herz rausreißt. Wie sie es in glitzernd rosa Geschenkpapier packt, sanft und zärtlich. Ganz behutsam, sodass dein scheiß verdammtes Herz endlich lernt, was Gefühle sind. Und dann? Dann wach ich auf und …

„Hey, da bist du ja.  Du lebst.“

Na, welch ein Glück.

„Ja, nennen wir es Glück.“

Weine nicht, mein Valentine …

Liebe.

Begehr.

Fühl hin und spür!

Du gehörst zu mir.

Wie der Mond ohne seinen Schein,

so kann ich ohne Dich nicht sein.

Der Mond, er zeigt uns den Weg.

Schritt für Schritt.

Hand in Hand,

bis an den Ewigkeiten Rand.

Unsere Seelen, vereint.

Für immer.

Deine Augen, sie leuchten in des Mondes Schimmer.

Küsse mich.

Lass uns geh’n.

Niemand wird je wieder unsre Tränen seh’n.

© Svea Kerling

Seele

Welche Wahl bleibt dir schon?

Du bist kein Kind mehr und glaubst auch nicht an Märchen. Ich stimme dir zu. Du bist kein Kind. Nicht mehr. Du glaubst nicht an Märchen. Nicht mehr. Doch, verrate mir! Woran glaubst du, wenn nackte Angst dich packt und deine Kehle zuschnürt? Woran glaubst du, wenn dein Blick sich angsterfüllt weitet?

Woran wirst du glauben, wenn die Finsternis nach dir ruft? Sie will dich umarmen. Was wirst du tun? Heulend nach Haus rennen, dich einschließen und warten bis es vorüber geht? Bis alles wieder gut ist? Ich dachte, du seist kein Kind mehr. Was wirst du tun? Sag es mir! Wirst du ihre Einladung annehmen?

Welche Wahl bleibt dir schon?

Svea Kerling – Irrsinn ist keine Entschuldigung

Buecher

Schwarz oder Weiß – eine Rezension

„Über das Thema „Borderline“ gibt es sicher eine ganze Menge Literatur. Das meiste davon sind unsinnige Ratgeber und Pseudostudien, die auf irgendwelchen Klassifizierungen nach DSM-5 oder ICD-10 basieren und weder Betroffenen helfen noch der breiten Gesellschaft wirklich brauchbare Informationen liefern – unnütze Theorie, gespickt mit Faktoiden. Wer solches Schubladendenken bisher als Grundlage für seine Erkenntnisse zugrundegelegt hat, dessen Bild von der Sache wird definitiv durch Svea Kerlings Erstlingswerk „Schwarz oder Weiß – Borderliner kennen kein Grau“ erschüttert werden.

In diesem Buch geht es nicht um Hilfestellungen (die zumeist ohnehin ins Leere laufen) oder Erklärungen. Im Gegenteil handelt es sich um den Tatsachenbericht einer Betroffenen, der sich keineswegs nur auf die schwierigen Alltäglichkeiten erstreckt, sondern auch die tiefsten Abgründe der Psyche beleuchtet, aus denen sich die inneren Dämonen immer wieder mit Gewalt Auftrieb verschaffen.

Die Autorin erzählt …“

Zur vollständigen Rezension

www.sveakerling.com

Buecher

Die Welle …

… und sie alle schwammen zur vermeintlich Rettung verheißenden Küste. Schwammen um ihr Leben. Kämpften um ihr Leben. Doch ich war wie gelähmt. Konnte nicht. Wollte nicht. War zu weit entfernt.  Doch es tat nichts zur Sache. Ich wusste es. Nichts würde ihr Leben retten.  Mein Leben.  Wozu dieses ganze Ringen. Ringen um Luft. Um etwas, das sich mir  mit allem Sein widersetzte.

Die Welle. Sie ließ mich ahnen. Ich spürte wie sie näher kam.

Ein kleiner Felsvorsprung. Rutschig. Im selben Moment als ich danach griff, kam mir allein der Versuch schwachsinnig vor. Dachte ich wirklich hier Halt finden zu können? Das lächerliche Klammern war nur eine eingebrannte instinktive Reaktion.

Dieser Lärm. Ein schier unfassbares Dröhnen. Mein Körper wurde nach hinten gezogen, nur um anschließend nach oben gesaugt  zu werden. Immer höher. Und dann … die Welle ließ von mir ab. Machte Platz für ihre Gefährten. Mit voller Wucht begruben sie mich unter sich.

Stille. Ganz leise. Warum wehrte ich mich nicht? Warum nicht versuchen? Ein Versuch, nichts mehr als ein klägliches Scheitern. Das Wasser drang in meinen Körper. Ich atmete tief ein. Kein trügerischer Instinkt mehr. Beinahe gierig trank ich das Wasser. Der anfängliche Schmerz erlosch.

www.sveakerling.com

 

Seele