Das Netz …

Sie schüttelte den Kopf. Ganz fest. Ganz schnell. Sie durfte sich nicht in Spinnereien verfangen. Nicht jetzt. Nicht später. Sie wusste nur allzu gut, was dann folgen würde. Immer mehr würde sie sich darin verstricken. Je mehr sie versuchen würde, sich loszureißen, desto fester würde das Netz nach ihr greifen. Es würde sich um ihre Kehle legen. Das Netz, dessen Spinnerin sie selbst war. Claire würde versuchen, es abzuschütteln. Sie würde versuchen, davon loszukommen.

Und je mehr sie sich wehren würde, desto größer wäre der quälende Schmerz. Er würde wachsen und von ihrer Seele Besitz ergreifen.

Je mehr sie sich wehren würde, desto unbarmherziger wären die Fäden.

Je mehr sie sich wehren würde, desto tiefer würden sie sich in ihr Fleisch schneiden.

Sie würde sich danach sehnen. Sie würde danach betteln: Nach ihrem letzten Atemzug.

Nein, das durfte nicht passieren. Nie wieder. Sie nahm sich fest vor, ihre …

Meine Bücher

Schwarze Rosen …

Du kannst mich nicht verletzen, nicht mehr. Mein Herz schlägt zwar, doch ich bin innerlich schon längst gestorben. Bevor das Leben mich tötet, töte ich mich selbst.

Ich schließe meine Augen.

Es ist ein dunkles Paradies.

Es blühen schwarze Rosen.

Der Himmel versteckt sich hinter dunklen Wolken. Ich muss keine Angst haben, dass die Sonne hervorkommt. Hier gibt es keine Sonne. Nicht hier in meiner Welt. Ein zarter Nebelschleier liegt über der grauen Wiese. Ich berühre eine Rose. Sie ist so schön. So unwahrscheinlich schön. Ich merke nicht, dass die Blüten scharf wie Rasierklingen sind. Blut tropft auf den Boden und verschmilzt mit der dunklen Erde. So schön. Sie brauchen kein Licht, um zu leben. Sie sind einfach da. Sie sind einfach nur schön. Sie haben keinen anderen Grund, sie brauchen keine Daseinsberechtigung. Keine Erklärung, warum sie anders sind. Sie sind einfach da und wunderschön.

Niemand fragt nach dem Warum.

Und es ist gut so.

Meine Bücher

ikadüster

Dornen …

Und wieder blieben ihm nur die Dornen in seinen Handflächen. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Hausmauer  und  glitt  daran  zu  Boden.  Alles,  was blieb, waren die Dornen. Nur Dornen. Die Blüten waren zerfallen und das Nichts nahm sie für sich ein.

Sorgfältig stellte Elizabeth ihr Fläschchen Laudanum zwischen die anderen Arzneien und verschloss gewissenhaft das Kästchen. Erschöpft ließ sie sich wieder auf ihr Bett nieder. Die Medikamente nahmen ihr die Schmerzen. Wenigstens für einen Moment. Einer dieser Momente, der ihr Leben erträglich machte. Ein Moment, an dem sie bis zur Ewigkeit festhalten wollte. Diese Momente wurden immer kürzer. Die Ewigkeit schien sich ihr manchmal nur als ein Augenblick darzubieten. Doch die Schmerzen überdauerten Zeit und Raum …

Ein Blind Date mit Svea Kerling

Ein Blind Date mit Svea Kerling

Schattenkind – kein Märchen

Anfänglich ist es nicht mehr als ein Schatten, der dich schaudern lässt. Nicht mehr als ein Gefühl. Dieses Gefühl, wenn er dich berührt. Sanft. Zärtlich tippt er an deine Schulter. Du zitterst. Dein Blut rauscht. In deinem Kopf pocht es. Du bist allein. Hörst die Stille.

Du wartest, bis sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Sie umgibt dich. Doch da, vor dir! Sieh hin! Deine Augen strengen sich an. Ein diffuser Schatten zeichnet sich ab. Langsam werden die Konturen schärfer.
Du mahnst dein Herz dazu, ruhiger zu schlagen.

Allein mit deiner Willenskraft kämpfst du gegen das Rauschen in deinen Ohren. Deine Konzentration gehört einzig und allein dieser schemenhaften Gestalt, die sich just in diesem Moment auf dich zubewegt. Einbildung, nichts dahinter.

Du schimpfst dich einen Narren. Du bist kein Kind mehr und glaubst auch nicht an Märchen. Ich stimme dir zu. Du bist kein Kind. Nicht mehr. Du glaubst nicht an Märchen. Nicht mehr. Doch, verrate mir! Woran glaubst du, wenn nackte Angst dich packt und deine Kehle zuschnürt? Woran glaubst du, wenn dein Blick sich angsterfüllt weitet?

Woran wirst du glauben, wenn die Finsternis nach dir ruft? Sie will dich umarmen. Was wirst du tun? Heulend nach Haus rennen, dich einschließen und warten bis es vorüber geht? Bis alles wieder gut ist? Ich dachte, du seist kein Kind mehr. Was wirst du tun? Sag es mir! Wirst du ihre Einladung annehmen?

Welche Wahl bleibt dir schon? Ihr entfliehen kannst du nicht, Dummerchen. Du bist längst zu Hause. Ja, verdammt. Ich weiß es. Du weißt es. Du bist kein Kind mehr. Aber diese Stimme … Erinnere dich!
Erinnere dich an damals – an das Kind.

Damals, hast dich gefürchtet, als Kind.
Hast dich versteckt.
Gehofft, dass dich niemand entdeckt.
Hab keine Angst, vertraue mir.
Diese Stimmen.
Sie gehören zu dir.

© Text Svea Kerling
© Illustration Andrea R Walla

Blind Date heißt:
Worte und Bilder begegnen sich das erste Mal zu einem gemeinsamen Date, um eine Geschichte zu erzählen. Spielwelt – Kalender

 

It’s all in my head …

‘Are you sure about that?’

‘Yes, of course. No. Somehow I’m often different than I…’

‘We’re all different to ourselves. We’re many in one. Many inside us. The many constitute the singlular whole. This is why we’re superior to the others. If only they would try, try to think around the next corner, they’d see that we’re already countless corners ahead of them, streets ahead. Many see more, see differently.’

‘As a child, I desperately wanted to get away from here. From the world. From this life. Away from myself. Escape. But always the thought, where to? I was sure I didn’t belong here. I waited in vain. Nothing happened. Despair and rage alternated until eventually I became resigned. Nobody came. Nobody was searching for me. Not once did they want me there; whatever or wherever there is.’

‘Are you certain of that? Look around you, you’re already there. You are precisely there.’

‘At times, I really think it’s only all in my head.’

‘Only? Just because it’s in your head, doesn’t it exist? Does it make the monster less real just because the people out there can’t see it? Because they’re blind and deaf. Because they know of nothing but their distorted ideas, which they take for reality. Because they wish to preserve their illusion of life as valid? Their self-deception mutates into unshakeable belief; to contemplate a life that’s founded on lies.’

‘All these things are only happening in my head.’

Translated from German into Englisch by  Jürgen Olschewski

 

Der Tod stand einfach nur da …

Dieser Traum

Dem Tod bei seiner Arbeit zuzusehen, ist hochgradig langweilig, ja sogar sterbenslangweilig.

Ich begleite den Tod nun schon eine lange Zeit – eine lange Zeit für mich, 

denn er – der Tod

 er besitzt sie nicht – die Zeit –

Er beendet sie.

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