Hoffnung …

Sie beschützten jene, die es bis hierher geschafft hatten. Ein Rätsel, warum die Lebenden wieder fortgingen und diesen geschützten Ort verließen. Menschen nannten es Hoffnung. Ob diese Hoffnung da draußen auf sie wartete und sie mit offenen Armen empfangen würde? Was war es denn, was sie so tief in den Wald getrieben hatte? Die Hoffnung selbst? Die Hoffnung machte wohl ein Spiel daraus, Gepeinigte noch mehr leiden zu lassen. Aber das war nicht ihr Spiel.

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Der tote Freund …

»Auf jeden Fall kein Leben wie du es kennst.«

Diese Stimme im Kopf würde ihn noch verrückt machen. Er halluzinierte. Er bildete sich Stimmen sein. Er war müde und hungrig. Hatte seit Tagen weder gegessen noch getrunken. Seine Nerven spielten ihm Streiche. Böse Streiche. Er musste schlafen. Sich kurz ausruhen. Doch bislang war er an keiner Stelle vorbeigegangen, die ihm auch nur annähernd Schutz versprochen hätte. Er musste weiter und den Leichnam vergraben. Am besten hier. Er war tief bis in die Waldesmitte vorgedrungen. Sogar der Mond hatte längst damit aufgehört, ihn zu begleiten. Keine Eule, die mit ihrem Schrei Blut zum Erstarren brachte. Keine Maus, die im Laub raschelte. Keine Augen, die ihn aus dem Dickicht beobachteten. Er sollte seinen Freund hierher legen. Ihn weich auf Laub betten und seinen Körper unter Ästen und Reisig verstecken …

(Leseprobe Ende – Meeting III)

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Gefangene der Zeit …

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Das wenige Licht, das die Straßenlaternen spendeten, verlor sich im Nichts. Nur in den Wohnungen brannte Licht. Lampen flackerten grundlos und gelangweilt in die Leere.

Wohnungen, die scheinbar sorglos auf ihre Bewohner warteten. Räume, gefangen im Augenblick. Stühle, noch warm. Teller, die darauf warteten, genutzt zu werden. Betten, die ihre Besitzer einluden.

Behausungen, die in die Irre führten. Wohnungen, die auf Leben zu warten schienen. Doch jegliches Leben war verschwunden. Aus den Wohnungen. Aus ihren Betten. Von den Straßen. Hier hatte Leben keinen Platz. Leben wie er es gekannt hatte.

S. Kerling meets E. A. Poe

 

Foto: Pixabay

The Invitation …

At first it is nothing more than a shadow that creeps you out. Just a feeling. That moment, when the shadow touches you. Tenderly, he taps you on the shoulder. You shudder. The blood pulsates in your veins. Your head feels like exploding. Maybe it is just an illusion. You tell yourself everything is fine. You are not a child anymore and you don’t believe in fairies. You are right. You are not a child; anymore. What are you going to believe, when the darkness calls for you? Your faith has no meaning when you’re trying to break through the darkness with a rigid view? What are you going to believe, when the darkness calls for you? Running home and shut the door and wait until it’s over? I thought you are not a kid anymore? What will you do?

Will you accept her invitation? Silly one, you have no other choice. You are already home.

 

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Erzähle mir mehr …

» … was wäre, wenn diese Monster mich nie verlassen hätten? Sie alle noch in meinem Kopf sind und ich mir alles einbilde. Wie damals. Als Kind. Auch das HIER. Auch das JETZT. Vielleicht ist alles nur Selbstbetrug? Wie du gesagt hast, Menschen sind blind. Irgendwann habe ich den Weg nach Draußen wohl nicht mehr gefunden. Vielleicht wollte ich ihn nicht finden. Vielleicht hatte ich zu sehr Angst und habe immer noch Angst. Ich weiß es nicht mehr. Es ist auch nicht wichtig. Nicht mehr. Ich verstehe es nicht.Ich habe es probiert. Immer und immer wieder wollte ich verstehen. Ich ertappe mich immer wieder dabei, es verstehen zu wollen. Du hättest mein Haus sehen sollen.«

»Erzähle mir mehr über das Haus. War es wie meines?«

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Der Weg …

»Es ist das Leben, das geht. Es ist nicht der Tod, der kommt. Der Tod holt sich kein Leben. Der Tod fängt das Leben auf. Er gibt den Seelen ein Zuhause. Keine Seele muss durch leere Straßen und Gassen herumirren. Das Warten auf das Licht ist vergebens, denn es wird nie kommen. Das Licht meidet die Dunkelheit.«

»Ist es denn das Leben selbst, das die Trauernden bestraft?«

»Tja, mein Kind. Es ist so eine Sache mit dem Leben und mit dem Tod. Wo ist die Brücke, die diese zwei Welten verbindet? Wer kann sie beschreiten? Der Lebende hier, der Tote dort. Der Weg allen Sterbens. Wohin führt er?«

»Sind wir nicht alle Lebende und Sterbende zugleich?«

» … «

 

 

Vorboten …

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Ich höre den Sturm. Er nähert sich. Seine Vorboten hämmern gegen meine Tür. Blitze schießen durch den Türspalt. Der Sturm ist nun ganz nah. Er will in mein Gehirn. Donner grollt. Ich halte mir die Ohren zu. Dunkle Wolken. Ich kann sie sehen. Sie rotten sich zusammen. Sie sammeln ihre Kräfte, nur um sich dann in meinem Kopf zu entladen. Fast beruhigend dagegen die Regentropfen. Doch ich weiß es genau: Sie wollen mich nur täuschen und mich in Sicherheit wähnen. Ich erkenne sie. Jeder einzelne Regentropfen wendet mir sein Gesicht zu. Ihre kleinen, grausamen Augen beobachten mich …

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