Das Netz …

Sie schüttelte den Kopf. Ganz fest. Ganz schnell. Sie durfte sich nicht in Spinnereien verfangen. Nicht jetzt. Nicht später. Sie wusste nur allzu gut, was dann folgen würde. Immer mehr würde sie sich darin verstricken. Je mehr sie versuchen würde, sich loszureißen, desto fester würde das Netz nach ihr greifen. Es würde sich um ihre Kehle legen. Das Netz, dessen Spinnerin sie selbst war. Claire würde versuchen, es abzuschütteln. Sie würde versuchen, davon loszukommen.

Und je mehr sie sich wehren würde, desto größer wäre der quälende Schmerz. Er würde wachsen und von ihrer Seele Besitz ergreifen.

Je mehr sie sich wehren würde, desto unbarmherziger wären die Fäden.

Je mehr sie sich wehren würde, desto tiefer würden sie sich in ihr Fleisch schneiden.

Sie würde sich danach sehnen. Sie würde danach betteln: Nach ihrem letzten Atemzug.

Nein, das durfte nicht passieren. Nie wieder. Sie nahm sich fest vor, ihre …

Meine Bücher

Dornen …

Und wieder blieben ihm nur die Dornen in seinen Handflächen. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Hausmauer  und  glitt  daran  zu  Boden.  Alles,  was blieb, waren die Dornen. Nur Dornen. Die Blüten waren zerfallen und das Nichts nahm sie für sich ein.

Sorgfältig stellte Elizabeth ihr Fläschchen Laudanum zwischen die anderen Arzneien und verschloss gewissenhaft das Kästchen. Erschöpft ließ sie sich wieder auf ihr Bett nieder. Die Medikamente nahmen ihr die Schmerzen. Wenigstens für einen Moment. Einer dieser Momente, der ihr Leben erträglich machte. Ein Moment, an dem sie bis zur Ewigkeit festhalten wollte. Diese Momente wurden immer kürzer. Die Ewigkeit schien sich ihr manchmal nur als ein Augenblick darzubieten. Doch die Schmerzen überdauerten Zeit und Raum …

It’s all in my head …

‘Are you sure about that?’

‘Yes, of course. No. Somehow I’m often different than I…’

‘We’re all different to ourselves. We’re many in one. Many inside us. The many constitute the singlular whole. This is why we’re superior to the others. If only they would try, try to think around the next corner, they’d see that we’re already countless corners ahead of them, streets ahead. Many see more, see differently.’

‘As a child, I desperately wanted to get away from here. From the world. From this life. Away from myself. Escape. But always the thought, where to? I was sure I didn’t belong here. I waited in vain. Nothing happened. Despair and rage alternated until eventually I became resigned. Nobody came. Nobody was searching for me. Not once did they want me there; whatever or wherever there is.’

‘Are you certain of that? Look around you, you’re already there. You are precisely there.’

‘At times, I really think it’s only all in my head.’

‘Only? Just because it’s in your head, doesn’t it exist? Does it make the monster less real just because the people out there can’t see it? Because they’re blind and deaf. Because they know of nothing but their distorted ideas, which they take for reality. Because they wish to preserve their illusion of life as valid? Their self-deception mutates into unshakeable belief; to contemplate a life that’s founded on lies.’

‘All these things are only happening in my head.’

Translated from German into Englisch by  Jürgen Olschewski

 

Hoffnung …

Sie beschützten jene, die es bis hierher geschafft hatten. Ein Rätsel, warum die Lebenden wieder fortgingen und diesen geschützten Ort verließen. Menschen nannten es Hoffnung. Ob diese Hoffnung da draußen auf sie wartete und sie mit offenen Armen empfangen würde? Was war es denn, was sie so tief in den Wald getrieben hatte? Die Hoffnung selbst? Die Hoffnung machte wohl ein Spiel daraus, Gepeinigte noch mehr leiden zu lassen. Aber das war nicht ihr Spiel.

Zu meinen Büchern

Der tote Freund …

»Auf jeden Fall kein Leben wie du es kennst.«

Diese Stimme im Kopf würde ihn noch verrückt machen. Er halluzinierte. Er bildete sich Stimmen sein. Er war müde und hungrig. Hatte seit Tagen weder gegessen noch getrunken. Seine Nerven spielten ihm Streiche. Böse Streiche. Er musste schlafen. Sich kurz ausruhen. Doch bislang war er an keiner Stelle vorbeigegangen, die ihm auch nur annähernd Schutz versprochen hätte. Er musste weiter und den Leichnam vergraben. Am besten hier. Er war tief bis in die Waldesmitte vorgedrungen. Sogar der Mond hatte längst damit aufgehört, ihn zu begleiten. Keine Eule, die mit ihrem Schrei Blut zum Erstarren brachte. Keine Maus, die im Laub raschelte. Keine Augen, die ihn aus dem Dickicht beobachteten. Er sollte seinen Freund hierher legen. Ihn weich auf Laub betten und seinen Körper unter Ästen und Reisig verstecken …

(Leseprobe Ende – Meeting III)

Zu meinen Büchern

dark

Gefangene der Zeit …

skulls-1748001_1280

Das wenige Licht, das die Straßenlaternen spendeten, verlor sich im Nichts. Nur in den Wohnungen brannte Licht. Lampen flackerten grundlos und gelangweilt in die Leere.

Wohnungen, die scheinbar sorglos auf ihre Bewohner warteten. Räume, gefangen im Augenblick. Stühle, noch warm. Teller, die darauf warteten, genutzt zu werden. Betten, die ihre Besitzer einluden.

Behausungen, die in die Irre führten. Wohnungen, die auf Leben zu warten schienen. Doch jegliches Leben war verschwunden. Aus den Wohnungen. Aus ihren Betten. Von den Straßen. Hier hatte Leben keinen Platz. Leben wie er es gekannt hatte.

S. Kerling meets E. A. Poe

 

Foto: Pixabay

The Invitation …

At first it is nothing more than a shadow that creeps you out. Just a feeling. That moment, when the shadow touches you. Tenderly, he taps you on the shoulder. You shudder. The blood pulsates in your veins. Your head feels like exploding. Maybe it is just an illusion. You tell yourself everything is fine. You are not a child anymore and you don’t believe in fairies. You are right. You are not a child; anymore. What are you going to believe, when the darkness calls for you? Your faith has no meaning when you’re trying to break through the darkness with a rigid view? What are you going to believe, when the darkness calls for you? Running home and shut the door and wait until it’s over? I thought you are not a kid anymore? What will you do?

Will you accept her invitation? Silly one, you have no other choice. You are already home.

 

nightmare-364838_960_720