Weine nicht, mein Valentine …

Liebe.

Begehr.

Fühl hin und spür!

Du gehörst zu mir.

Wie der Mond ohne seinen Schein,

so kann ich ohne Dich nicht sein.

Der Mond, er zeigt uns den Weg.

Schritt für Schritt.

Hand in Hand,

bis an den Ewigkeiten Rand.

Unsere Seelen, vereint.

Für immer.

Deine Augen, sie leuchten in des Mondes Schimmer.

Küsse mich.

Lass uns geh’n.

Niemand wird je wieder unsre Tränen seh’n.

© Svea Kerling

Seele

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Die Welle …

… und sie alle schwammen zur vermeintlich Rettung verheißenden Küste. Schwammen um ihr Leben. Kämpften um ihr Leben. Doch ich war wie gelähmt. Konnte nicht. Wollte nicht. War zu weit entfernt.  Doch es tat nichts zur Sache. Ich wusste es. Nichts würde ihr Leben retten.  Mein Leben.  Wozu dieses ganze Ringen. Ringen um Luft. Um etwas, das sich mir  mit allem Sein widersetzte.

Die Welle. Sie ließ mich ahnen. Ich spürte wie sie näher kam.

Ein kleiner Felsvorsprung. Rutschig. Im selben Moment als ich danach griff, kam mir allein der Versuch schwachsinnig vor. Dachte ich wirklich hier Halt finden zu können? Das lächerliche Klammern war nur eine eingebrannte instinktive Reaktion.

Dieser Lärm. Ein schier unfassbares Dröhnen. Mein Körper wurde nach hinten gezogen, nur um anschließend nach oben gesaugt  zu werden. Immer höher. Und dann … die Welle ließ von mir ab. Machte Platz für ihre Gefährten. Mit voller Wucht begruben sie mich unter sich.

Stille. Ganz leise. Warum wehrte ich mich nicht? Warum nicht versuchen? Ein Versuch, nichts mehr als ein klägliches Scheitern. Das Wasser drang in meinen Körper. Ich atmete tief ein. Kein trügerischer Instinkt mehr. Beinahe gierig trank ich das Wasser. Der anfängliche Schmerz erlosch.

www.sveakerling.com

 

Seele

Der Wald …

Wie viele Geschichten hätte er ihr erzählen können? Wie viel Hässliches hatte er schon gesehen? Würde er zu ihr halten, sie beschützen vor dem Grauen, das sie quälte? Würde er sie wohlwollend empfangen, wenn sie seinen Schutz suchte? Wenn sie ihr Leben zurückließe? Würde er ihr Sicherheit geben? Alles das, wonach sie sich sehnte? Der Schnee ließ den Wald noch ehrfurchtsvoller erscheinen. Niemand konnte ihm etwas anhaben. Nein, er war so groß und mächtig.

Doch der Schein trog. Der Wald ächzte unter seiner schweren, eisigen Last. Fast schien es, als versuchten die Bäume etwas von dem Gewicht abzuschütteln. Doch der Winter hielt ihn unerbittlich mit seinen Krallen fest. Niemand konnte dieser Urgewalt entkommen. Auch dieser Winter wird Opfer fordern. Sie ließ ihren Blick über die jungen Bäume schweifen. Tapfer trotzten sie dieser eisigen Zeit. Würden sie als Sieger hervorgehen? Würden die Narben, die Schnee und Eis hinterließen, sie noch stärker machen? Viele alte Bäume hatten beschlossen zu sterben, um ihren Nachkommen Platz zu machen. Sie legten sich über ihre Kinder, wie eine warme Decke, die sie behütete.

Noch eine Weile blickte sie durch das Fenster. Fast genoss sie das Schauspiel, den Kampf zwischen Leben und Tod. Würde der Wald ihr geheimes Vorhaben verraten? Sie schüttelte den Kopf. Nein, er war ihr Verbündeter. Es war der Schnee, der ihre Fußabdrücke preisgeben würde. Sie musste noch warten. Bald würde es stärker schneien und ihre Fußspuren unter den tanzenden Schneeflocken verschwinden. Noch immer starrte sie durch das Fenster. Sie hoffte auf ein Zeichen, auf etwas, das ihr die Last der Entscheidung von den Schultern nehmen würde.

Sie lächelte. Es würde nicht mehr lange dauern. Der Schneefall ließ kaum noch etwas von der Landschaft erkennen. Wie lange konnten die Bäume noch so schwer tragen, bis sie unter dem Gewicht der Schneemassen zusammenbrachen? Aber der Wald würde überleben. Es war nicht sein erster Kampf um sein Überleben. Es würde Opfer geben, doch im Frühjahr würde er mit Stolz über die Ebene blicken; seine Ebene.

Vielleicht würde er ihr eine Geschichte davon erzählen. Sie würde von einem Mädchen handeln, das in den Wald flüchtete, barfuß, verfolgt von mittelalterlichen Schergen.

Doch nun war sie es, die laufen würde. Verfolgt von Geistern, die nach ihr riefen.

Sie zog sich ihre Stiefel an. Langsam, um niemanden zu wecken, öffnete sie die Tür. Der Fluss war zugefroren. Das erleichterte ihr Vorhaben. Still und leise verschwand sie im Wald. Eine fast unheimliche Stille umgab sie. Sie erschrak. Sie lauschte. Doch es war nur ein Ast, der unter der großen Schneelast nachgab. Sie lief weiter, weg von dem Haus, weg von dem Leben; diesem Leben. Ihre Tränen verwandelten sich zu eisigen Kristallen. Sie war müde. Nur etwas ausruhen. Sie lehnte sich an einen Baum. Er war überraschend weich und warm. Nicht kalt und hart, wie sie gedacht hatte. Sie glitt zu Boden. Sie lächelte. Der Wald schützte sie, er umgab sie mit Geborgenheit und spendete ihr Wärme. Nur ein wenig die Augen schließen. Der Baum legte schützend seine Arme um sie. „Schlaf, mein Kind, schlaf …“

© by Svea Kerling aus Schwarz oder Weiß

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Seele

 

Ein Jahr ist bald um …

Ein Jahr ist bald um.

So schnell, dass man kaum  Zeit findet, allen Vorsätzen Taten folgen zu lassen.

Soll ich mich neu finden? Neu erfinden? Meine Karten neu mischen? Zu einem besseren Menschen werden? Friedvoller? Entspannter? Dankbarer? Soll ich mehr Einsatz beweisen?  Mehr Spreu vom Weizen trennen?

Oder soll es etwas ganz Banales sein? Mit dem Rauchen aufhören?

Wann? Wenn nicht jetzt?

Jetzt. Alle tun es. Neuer Vorsatz. Neues Spiel. Neues Glück. Neues Ich? Humbug.

Wichtig ist doch nur, was im Nachsatz steht. Der Abspann.

Der guten Ordnung halber mag ich hier und jetzt erwähnen, dass ich so manch Sache doch recht gut gemeistert, besser als gedacht.  Sogar ungedacht. Manche Sachen minder gut. Miserabel oder ganz und gar verhaut. Versaut.

Entscheidungen, die ich bereue. Entscheidungen, die ich hätte treffen sollen und  jene Entscheidungen, die nie zur Wahl standen. Nie zur Wahl hätten stehen sollen. Und doch hatte ich eine Antwort parat. Manchmal war es auch nur ein Schweigen …

Viele Fragen sind offen geblieben.  Viele Antworten ohne Fragen. Neue Fragen. Neue Aufgaben.

 Viele Ängste überwunden. Gelernt, mich neuen Ängsten zu stellen. Schlachten verloren. Kriege gewonnen. Ein Schlachtfeld hinterlassen. Etwas aufgeräumter vielleicht als ich es vorgefunden hatte. Unordentlicher als ich es geplant hatte. Ungeplant.

Den heftigsten Kampf bestreite ich mit mir selbst. Hin- und hergerissen, geschüttelt und gebeutelt. Und oftmals sehr gerührt.

Manchmal muss Altes weichen, um Neuem Platz zu schaffen.

Alle Dinge sind im ewigen Fluss, im Werden. Ihr Beharren ist nur Schein (Heraklit von Ephesus)

Ewigkeit

Verlassen …

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Bin verwirrt.

Traurig und  voller Zweifel

Müde.

Erschöpft.

Fühle mich einsam.

Verlassen.

Ich hasse mich. Ich schütze mich.

Bin mein eigener Beschützer.

Meiner Seele. Meines Körpers.

Möchte an meine Seele glauben,

doch kann ich es nicht.

Will an Träumen mich festhalten, doch

sie halten mich nicht.

Sie lassen mich fallen.

 

© Svea Kerling

Bild mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin Bianca Maria Samer.

Schließe Deine Augen …

böse

Ich nehme Platz.

Der Vorhang geht auf.

Es betreten die Bühne die Kinder der Nacht.

Bin gebannt.

Ohnmacht.

Kann mich dem Schauspiel nicht entziehen.

Sie lachen mir ins Gesicht,

zeigen auf mich.

»Schließe Deine Augen, sonst siehst Du uns nicht!«

 

Bild mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin Bianca Maria Samer.