»… ein Kackhaufen hier.«

„… wie ein Versuchsäffchen vor seiner ersten Behandlung.

Rebellen hatte er schon in der Pfeife geraucht und das mehrmals; sogar hintereinander, sogar vor dem Frühstück. Das hatte er. Hatte er doch, oder?

»… ein Kackhaufen hier.«

Es wurde still.

Kein Raunen.

Niemand schaukelte, niemand wippte.

Kein Atmen.

Kein Papier.

Keine Schokolade.

… unter seiner hellen Haut zeichneten sich die Adern genau ab.“

© 2017 Svea Kerling (Die Equipe – der letzte Sitzkreis)

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Gruppe Blümchen …

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… Ob dies die Gruppe Blümchen Unfried sei, fragt sie mich. Nein, das ist die Gruppe täusche dich täglich selbst, Vaihinger, aber ich lasse es und nicke bloß. Sie wirkt sehr zufrieden. Drückt ihre Handtasche eng an sich und unter leichtem Stöhnen – ich weiß nicht, ob es von ihr ausgeht oder von den Sesselbeinen – nimmt sie Platz. Das Schauspiel ist aber noch nicht eröffnet.

© 2017 Svea Kerling

So lasset das Drama beginnen …

Ach, ich mag diese Wahrheit, diese Erhabenheit in seinem Gesicht. Ganz Herr der Runde und die Tür öffnet sich. Herein kommt eine junge scheue Frau, die sich sofort entschuldigt und zum letzten verbliebenen Sessel huscht.

Ich höre den metaphysischen Gong schlagen. Das Schauspiel geht los.

So lasset das Drama beginnen, und Unfried erfüllt mir diesen Wunsch.

© Svea Kerling (Die Equipe – der letzte Sitzkreis)

 

 

 

Nichts.

Dieses Fenster zum Hof. Ein kleines verdrecktes Fenster. Ein kleiner verdreckter Hof. Passt gut zu mir. Zu meinem Leben. Ein kleines verdrecktes Leben.

Mein Fenster zum Hof. Nicht mehr als ein kleines unscheinbares Etwas aus Glas; lieblos eingerahmt.

Nicht mehr als ein vermeintlicher Lichtblick.

Nicht mehr als ein billiger Trick.

Nicht mehr als ein armseliger Versuch, Helligkeit in dieses dunkle Zimmer zu bringen.

Vergeblich.

Gescheitert, allein schon der Versuch. Ich sehe mich um und erblicke nichts.

Nichts, dass von Wert wäre.

Nichts, dass es wert wäre, in Licht getaucht zu werden. Ich sehe nichts.

Nichts, dass das Licht in sich aufnehmen würde.

Nichts, dass auch nur die Absicht hätte, einen lichten Funken auf mich zu werfen.

Ich sehe nichts, dass meiner Hoffnung neue Nahrung bieten könnte.

Da war rein gar nichts. Nichts um mich. Nichts in mir. Kein Leben. Keine Seele. Nichts. Ich war leer. Erschöpft. Ausgelaugt. Mein Körper war nichts mehr als eine Hülle. Aufrecht erhalten nur aus Trotz. Nur aus falschem Stolz, nicht auf die staubige Erde zu fallen. ›Staub zu Staub‹, klingt es in meinen Ohren.  Würde ich fallen, wäre es für immer. Diesmal. Ich würde den Aufprall nicht spüren. Ich würde verschmelzen mit dem Boden. Eins werden mit dem Staub. Selbst zu Staub werden. Und irgendwann …

© Svea Kerling

Seele

Mein Freund, sei mir nicht gram …

Mein lieber Freund,

die Zeit meint es nunmehr gut mit mir. Sie erweist sich mir gegenüber als gnädig, so dass ich hier und jetzt meinem Versäumnis nachkomme und folgende Worte an Dich richte.

Zum wiederholten Male möchte ich mit meinigen Worten zum Ausdruck bringen, wie sehr es mich mit Ehre erfüllt, als ein Teil Deines Seins zu leben. Und dennoch, es stürzt  mich in tiefste Trauer, dass Du hierfür in den Abgrund meiner Seele blicken musstest. Aus freien Stücken. Ich bin fürwahr nicht in der Lage, mir auch nur auszumalen, welche Monster Du erblicktest und welchen Abscheulichkeiten du Dich zu stellen wagtest. Und dennoch, Du reichtest ihnen die Hand und versprachst ihnen ein neues Zuhause.

Nun, mein lieber Freund, Du fragtest nach meinem werten Befinden. Es ist nichts an Wert daran. Weder an meinem Befinden noch an mir. Doch wage ich das Eingeständnis und möchte Dir berichten. Über etwas Neues. Etwas nie Dagewesenes. In mir ist etwas Neues. Etwas wurde in meinen Körper hineingeboren. Etwas, das nie hätte geboren werden dürfen. Etwas Unerbittliches in seiner Art. Etwas, das keine Gnade kennt. Es fügt mir Schmerz zu. Alles in mir formt sich zu einem Aufschrei. Meine Knochen schmerzen. Meine Augen so trüb, dass allein die Dunkelheit es ist, die mich vor Blindheit schützt. Meine Zähne verhöhnen mich immerzu, wenn ich mit einem alten Laib Brot meinen zerschundenen Körper nähren möchte. Allein die unsägliche Müdigkeit hält davon mich ab, vor mir selbst zu flüchten.

Das Wachsein ist eine Qual und noch größer der Pein, der mir in meinen Träumen widerfährt. Könnte sich mein Inneres in ein Äußeres verkehren, so glaube ich, wäre es dies, was mir widerfährt.

Mein lieber Freund, so wandre ich allein zwischen den Tälern Hoffnung und Lüge. Ich klammere mich an das, was allgemein gerne als Leben benannt und doch mit dem Wunsch endlich diesem entsagen zu können. Meine Einsamkeit erträgt das Alleinige nicht mehr.

So bitte ich Dich nun, du als Freund, sei mir nicht gram und sei mir auch ein Freund in dieser Stunde meiner Angst. Diese Stunde ist alles, was von mir bleibt.

In ewiger Dankbarkeit.

 

© Svea Kerling

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Bis bald …

Nicht darin, wie eine Seele sich der anderen nähert, sondern wie sie sich von ihr entfernt, erkenne ich ihre Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit mit der anderen.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

(1844 – 1900), deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller

In diesem Sinne meine Lieben, werde ich mich für einige Zeit zurückziehen, um zu erkennen.

Bis bald …

Eure Svea

 

 

 

Der Tod stand einfach nur da …

Dieser Traum

Dem Tod bei seiner Arbeit zuzusehen, ist hochgradig langweilig, ja sogar sterbenslangweilig.

Ich begleite den Tod nun schon eine lange Zeit – eine lange Zeit für mich, 

denn er – der Tod

 er besitzt sie nicht – die Zeit –

Er beendet sie.

www.sveakerling.com