Einsamkeit …

»Und ist nicht gerade die Einsamkeit jene, die unsere Gedanken auf Reisen schickt? Ist die Einsamkeit nicht gerade jene, die uns Abgründe erkennen lässt? Sie ist es doch, die Erklärungen für unsere Albträume liefert. Nacht für Nacht. Tag für Tag. Immerfort. Wir blicken in die Tiefe unserer Seele und beginnen zu sehen. Zu erkennen. Wir verstehen und begreifen. Einsamkeit öffnet uns die Augen. Sie erlaubt uns in jene Abgründe zu blicken, von deren Existenz wir nie zu ahnen wagten. Sie fordert uns auf hinzusehen. Nur so können wir erkennen, was in der Dunkelheit auf uns wartet. Ist es nicht das Verborgene und auch das Rätselhafte selbst, was Menschen schon immer angetrieben hat? Die Neugier, das Unbekannte zu erkennen? Dem Unbekannten seinen Schrecken zu nehmen.«

www.sveakerling.com

Muster …

rain-316580_1280Ich lehne mich zurück. Die Wand ist kalt. Mir ist kalt. Ein kleiner Zweig fällt von oben herab. Ich greife nach ihm. Meine Finger gehorchen nur widerwillig. Mit meinen Fingernägeln ritze ich Muster in die Erde. Immer tiefere Linien. Auf den ersten Blick ohne System. Auch auf den zweiten gibt es kein System. Irgendwann passiert es doch. Alles ergibt irgendwann ein System. Die kleinen Vier- und Dreiecke finden sich zu einem Muster zusammen. Es gibt keine Regeln, keine Anleitung. Es passiert. Irgendwann dann, wenn es passieren soll. Alle Muster werden eins und bilden zusammen ein großes Ganzes. Eine Einheit. Allein und voneinander getrennt ergeben sie keinen Sinn, sind allein und hilflos. Doch zusammen sind sie schön. Alle zusammen sind unbesiegbar …

mehr von S. Kerling meets E. A. Poe

Edgar Allan Poe: Alone

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From childhood’s hour I have not been

As others were—I have not seen

As others saw—I could not bring

My passions from a common spring—

From the same source I have not taken

My sorrow—I could not awaken

My heart to joy at the same tone—

And all I lov’d—I lov’d alone—

Then—in my childhood—in the dawn

Of a most stormy life—was drawn

From ev’ry depth of good and ill

The mystery which binds me still—

From the torrent, or the fountain—

From the red cliff of the mountain—

From the sun that ’round me roll’d

In its autumn tint of gold—

From the lightning in the sky

As it pass’d me flying by—

From the thunder, and the storm—

And the cloud that took the form

(When the rest of Heaven was blue)

Of a demon in my view—

E. A. Poe

 

Von Kindheits Stunde war ich nicht
wie and’re war’n, denn meine Sicht
war anders: Ich hab‘ nie gestillt
Gefühl vom Born, der allen quillt.
Und meine Sorgen nahm ich nicht
von ihm. Auch was zum Herzen spricht
kam nicht von ihm: Die Lieben mein,
die liebte ich für mich allein.
Dann – in der Kindheit, am Beginn
des Lebenssturms – kam mein Gewinn
aus allen Tiefen, gut und schlecht,
und dies Geheimnis ward mein Recht:
Von dem Wildbach, von der Quelle,
von des Berges roter Schwelle,
von der Sonn‘, die um mich rollt
in des Herbstes schimmernd‘ Gold,
von der Himmel Blitze Flug,
als er nah die Erde schlug,
von dem Sturm, vom Donner wild
und der Wolke, die das Bild
(ganz allein am Himmelszelt)
zeigt des Dämons meiner Welt.

E. A. Poe

Nicht hier. Nicht jetzt.

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Nun war dieser Weg zu seinem Weg geworden. Nun war er es, der diese Reise angetreten war. Allein. Niemand, der sich ihm anschloss.

Er war aufgebrochen. Damals. Vor so vielen Jahren. Doch was war schon ein Jahr? Zeit hatte hier keine Bedeutung. Nicht hier. Nicht damals. Nicht jetzt. Zeit war nicht vergänglich. Sie IST einfach. Zeit war kein Punkt, an dem man festhalten konnte.

Er musste diesen Ort finden. Dort würde seine Suche ein Ende finden. Er war bereit, durch die Zielgerade zu marschieren. Er war gefangen zwischen hier und dort. Hier und dort konnte überall sein. Nichts, worauf er bauen konnte. Nichts, dem er vertrauen konnte.

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Bild: Thomas Budach

 

Traum #1 (26.08.2016)

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Und da lag ich nun. Wieder. Bekanntermaßen brauchte es seine Zeit um die Gedanken in Worte zu tauchen. 

26.08.2016. In dieser Nacht beschloss ich, Euch eine Tür zu meinen Träumen zu öffnen. 

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… und sie alle schwammen zur vermeintlich Rettung verheißenden Küste. Sie schwammen um ihr Leben. Kämpften darum. Doch ich war wie gelähmt. Konnte nicht. War zu weit entfernt. Doch es tat nichts zur Sache. Ich wusste, nichts würde ihre Leben retten. Mein Leben.  Wozu dieses ganze Ringen. Ringen um Luft. Um etwas, das sich mir  mit allem Sein widersetzte.

Die Welle. Sie ließ mich ahnen. Ich spürte wie sie näher kam.

Ein Felsvorsprung. Klein. Rutschig. Im selben Moment als ich danach griff, kam mir allein schon der Versuch schwachsinnig vor. Dachte ich wirklich hier Halt zu finden? Das lächerliche Klammern war nur eine eingebrannte instinktive Reaktion.

Dieser Lärm. Ein schier unfassbares Dröhnen. Mein Körper wurde nach hinten gezogen, nur um anschließend nach oben gesaugt  zu werden. Immer höher. Und dann … die Welle ließ von mir ab. Machte Platz für ihre Gefährten. Mit voller Wucht begruben sie mich unter sich.

Stille. Ganz leise. Warum wehrte ich mich nicht? Warum nicht versuchen? Ein Versuch, nichts mehr als ein klägliches Scheitern. Das Wasser drang in meinen Körper. Ich atmete tief ein. Kein trügerischer Instinkt mehr. Beinahe gierig trank ich das Wasser. Der anfängliche Schmerz erlosch.

Ich wachte auf. Traurig, mich im Bett wiederzufinden.

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Foto: Pixabay