Einsamkeit …

»Und ist nicht gerade die Einsamkeit jene, die unsere Gedanken auf Reisen schickt? Ist die Einsamkeit nicht gerade jene, die uns Abgründe erkennen lässt? Sie ist es doch, die Erklärungen für unsere Albträume liefert. Nacht für Nacht. Tag für Tag. Immerfort. Wir blicken in die Tiefe unserer Seele und beginnen zu sehen. Zu erkennen. Wir verstehen und begreifen. Einsamkeit öffnet uns die Augen. Sie erlaubt uns in jene Abgründe zu blicken, von deren Existenz wir nie zu ahnen wagten. Sie fordert uns auf hinzusehen. Nur so können wir erkennen, was in der Dunkelheit auf uns wartet. Ist es nicht das Verborgene und auch das Rätselhafte selbst, was Menschen schon immer angetrieben hat? Die Neugier, das Unbekannte zu erkennen? Dem Unbekannten seinen Schrecken zu nehmen.«

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S. Kerling meets E. A. Poe – Buchtrailer I

 

Ich weiß es. Kein Zweifel. Ich spüre es. Das Monster. Es ist hinter mir. Ganz nah. Sein modriger Gestank dringt in meine Nase und füllt meine Lunge mit fauligem Atem. Ekel steigt in mir empor; nimmt Besitz von meinem ganzen Körper. Ich möchte raus. Raus aus mir. Raus aus meinem Körper. Nicht mehr gegen das Unvermeidliche ankämpfen. Es wäre ein Leichtes, stehen zu bleiben ….

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Es war bloß das Leben …

Sie wussten nichts davon. Wie es war. Was es war. Was war dieses Leben? Sie konnten sich nicht mehr daran erinnern. Jede vage Ahnung daran war verblasst. Nichts war geblieben. Wissen, verschwunden in der Ewigkeit. Allein der Umstand, dass das Leben ihnen fremd war, gab ihnen Grund, es zu verteufeln, zu jagen und zu vernichten. Es war nichts weiter als Angst vor dem, wofür andere bereit waren zu sterben. Angst vor dem Leben. Und so mordeten und schlachteten sie weiter. Metzelten diejenigen nieder, die hier nach Zuflucht suchten. Diejenigen, die nur aus einem Grund kämpften: Um zu überleben. Die Sünde, die ihren Opfern vorgeworfen wurde und wofür sie gehängt wurden, war das Leben.

Leseprobe aus S. Kerling meets E. A. Poe

 

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Nur eine Beute von vielen …

Ein monströser Schatten über mir. Das Maul öffnet sich. Die Kreatur macht sich dazu auf, mich zu verschlingen; doch gerade ihr widerlicher Atem ist es, der mich anspornt und mir die nötige Kraft verleiht, die Tür aufzureißen. Ich stolpere ins Innere des Hauses. Mit einem lauten Knall fällt die Tür hinter mir zu.

Ich lausche. Um mich herum ist es still. Das Ungeheuer scheint keine Anstalten zu machen, die Tür eindrücken zu wollen. Ich lehne mich dagegen. Nichts. Ich lausche erneut. Alles ruhig. Kein Kratzen an der Tür. Kein Schnaufen. Nichts. Gibt es so leicht auf? Bin ich ihm nichts wert? Mehr steckt nicht dahinter? Bin ich nur eine Beute von vielen? Ein seltsames Gefühl von Eifersucht beschleicht mich.

Meine Bücher

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Hoffnung …

Sie beschützten jene, die es bis hierher geschafft hatten. Ein Rätsel, warum die Lebenden wieder fortgingen und diesen geschützten Ort verließen. Menschen nannten es Hoffnung. Ob diese Hoffnung da draußen auf sie wartete und sie mit offenen Armen empfangen würde? Was war es denn, was sie so tief in den Wald getrieben hatte? Die Hoffnung selbst? Die Hoffnung machte wohl ein Spiel daraus, Gepeinigte noch mehr leiden zu lassen. Aber das war nicht ihr Spiel.

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Vorboten …

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Ich höre den Sturm. Er nähert sich. Seine Vorboten hämmern gegen meine Tür. Blitze schießen durch den Türspalt. Der Sturm ist nun ganz nah. Er will in mein Gehirn. Donner grollt. Ich halte mir die Ohren zu. Dunkle Wolken. Ich kann sie sehen. Sie rotten sich zusammen. Sie sammeln ihre Kräfte, nur um sich dann in meinem Kopf zu entladen. Fast beruhigend dagegen die Regentropfen. Doch ich weiß es genau: Sie wollen mich nur täuschen und mich in Sicherheit wähnen. Ich erkenne sie. Jeder einzelne Regentropfen wendet mir sein Gesicht zu. Ihre kleinen, grausamen Augen beobachten mich …

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Mein lieber Freund, sei mir nicht gram …

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Mein lieber Freund,

die Zeit meint es nunmehr gut mit mir. Sie erweist sich mir gegenüber als gnädig, so dass ich hier und jetzt meinem Versäumnis nachkomme und folgende Worte an Dich richte.

Zum wiederholten Male möchte ich mit meinigen Worten zum Ausdruck bringen, wie sehr es mich mit Ehre erfüllt, als ein Teil Deines Seins zu leben. Und dennoch, es stürzt  mich in tiefste Trauer, dass Du hierfür in den Abgrund meiner Seele blicken musstest. Aus freien Stücken. Ich bin fürwahr nicht in der Lage, mir auch nur auszumalen, welche Monster Du erblicktest und welchen Abscheulichkeiten du Dich zu stellen wagtest. Und dennoch, Du reichtest ihnen die Hand und versprachst ihnen ein neues Zuhause.

Nun, mein lieber Freund, Du fragtest nach meinem werten Befinden. Es ist nichts an Wert daran. Weder an meinem Befinden noch an mir. Doch wage ich das Eingeständnis und möchte Dir berichten. Über etwas Neues. Etwas nie Dagewesenes. In mir ist etwas Neues. Etwas wurde in meinen Körper hineingeboren. Etwas, das nie hätte geboren werden dürfen. Etwas Unerbittliches in seiner Art. Etwas, das keine Gnade kennt. Es fügt mir Schmerz zu. Alles in mir formt sich zu einem Aufschrei. Meine Knochen schmerzen. Meine Augen so trüb, dass allein die Dunkelheit es ist, die mich vor Blindheit schützt. Meine Zähne verhöhnen mich immerzu, wenn ich mit einem alten Laib Brot meinen zerschundenen Körper nähren möchte. Allein die unsägliche Müdigkeit hält davon mich ab, vor mir selbst zu flüchten.

Das Wachsein ist eine Qual und noch größer der Pein, der mir in meinen Träumen widerfährt. Könnte sich mein Inneres in ein Äußeres verkehren, so glaube ich, wäre es dies, was mir widerfährt.

Mein lieber Freund, so wandre ich allein zwischen den Tälern Hoffnung und Lüge. Ich klammere mich an das, was allgemein gerne als Leben benannt und doch mit dem Wunsch endlich diesem entsagen zu können. Meine Einsamkeit erträgt das Alleinige nicht mehr.

So bitte ich Dich nun, du als Freund, sei mir nicht gram und sei mir auch ein Freund in dieser Stunde meiner Angst. Diese Stunde ist alles, was von mir bleibt.

In ewiger Dankbarkeit.