Einsamkeit …

»Und ist nicht gerade die Einsamkeit jene, die unsere Gedanken auf Reisen schickt? Ist die Einsamkeit nicht gerade jene, die uns Abgründe erkennen lässt? Sie ist es doch, die Erklärungen für unsere Albträume liefert. Nacht für Nacht. Tag für Tag. Immerfort. Wir blicken in die Tiefe unserer Seele und beginnen zu sehen. Zu erkennen. Wir verstehen und begreifen. Einsamkeit öffnet uns die Augen. Sie erlaubt uns in jene Abgründe zu blicken, von deren Existenz wir nie zu ahnen wagten. Sie fordert uns auf hinzusehen. Nur so können wir erkennen, was in der Dunkelheit auf uns wartet. Ist es nicht das Verborgene und auch das Rätselhafte selbst, was Menschen schon immer angetrieben hat? Die Neugier, das Unbekannte zu erkennen? Dem Unbekannten seinen Schrecken zu nehmen.«

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Die Anderen …

Er wusste, die Straßen zeigten sich seelenlos, doch wie so oft war es nur der Schein, der Sicherheit vorgaukelte.

Er verriet nichts von den Anderen.

Die Anderen, die auf der Jagd waren. Auf der Jagd nach ihnen und ihren Seelen.

Nein, sie kamen nicht durch die Tür oder durch das offengelassene Fenster. Sie kamen mit dem Wind.

Unscheinbar, unbemerkt in der Tarnung einer kurz aufflackernden Ahnung.

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Das Netz …

Sie schüttelte den Kopf. Ganz fest. Ganz schnell. Sie durfte sich nicht in Spinnereien verfangen. Nicht jetzt. Nicht später. Sie wusste nur allzu gut, was dann folgen würde. Immer mehr würde sie sich darin verstricken. Je mehr sie versuchen würde, sich loszureißen, desto fester würde das Netz nach ihr greifen. Es würde sich um ihre Kehle legen. Das Netz, dessen Spinnerin sie selbst war. Claire würde versuchen, es abzuschütteln. Sie würde versuchen, davon loszukommen.

Und je mehr sie sich wehren würde, desto größer wäre der quälende Schmerz. Er würde wachsen und von ihrer Seele Besitz ergreifen.

Je mehr sie sich wehren würde, desto unbarmherziger wären die Fäden.

Je mehr sie sich wehren würde, desto tiefer würden sie sich in ihr Fleisch schneiden.

Sie würde sich danach sehnen. Sie würde danach betteln: Nach ihrem letzten Atemzug.

Nein, das durfte nicht passieren. Nie wieder. Sie nahm sich fest vor, ihre …

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Schwarze Rosen …

Du kannst mich nicht verletzen, nicht mehr. Mein Herz schlägt zwar, doch ich bin innerlich schon längst gestorben. Bevor das Leben mich tötet, töte ich mich selbst.

Ich schließe meine Augen.

Es ist ein dunkles Paradies.

Es blühen schwarze Rosen.

Der Himmel versteckt sich hinter dunklen Wolken. Ich muss keine Angst haben, dass die Sonne hervorkommt. Hier gibt es keine Sonne. Nicht hier in meiner Welt. Ein zarter Nebelschleier liegt über der grauen Wiese. Ich berühre eine Rose. Sie ist so schön. So unwahrscheinlich schön. Ich merke nicht, dass die Blüten scharf wie Rasierklingen sind. Blut tropft auf den Boden und verschmilzt mit der dunklen Erde. So schön. Sie brauchen kein Licht, um zu leben. Sie sind einfach da. Sie sind einfach nur schön. Sie haben keinen anderen Grund, sie brauchen keine Daseinsberechtigung. Keine Erklärung, warum sie anders sind. Sie sind einfach da und wunderschön.

Niemand fragt nach dem Warum.

Und es ist gut so.

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ikadüster

Der tote Freund …

»Auf jeden Fall kein Leben wie du es kennst.«

Diese Stimme im Kopf würde ihn noch verrückt machen. Er halluzinierte. Er bildete sich Stimmen sein. Er war müde und hungrig. Hatte seit Tagen weder gegessen noch getrunken. Seine Nerven spielten ihm Streiche. Böse Streiche. Er musste schlafen. Sich kurz ausruhen. Doch bislang war er an keiner Stelle vorbeigegangen, die ihm auch nur annähernd Schutz versprochen hätte. Er musste weiter und den Leichnam vergraben. Am besten hier. Er war tief bis in die Waldesmitte vorgedrungen. Sogar der Mond hatte längst damit aufgehört, ihn zu begleiten. Keine Eule, die mit ihrem Schrei Blut zum Erstarren brachte. Keine Maus, die im Laub raschelte. Keine Augen, die ihn aus dem Dickicht beobachteten. Er sollte seinen Freund hierher legen. Ihn weich auf Laub betten und seinen Körper unter Ästen und Reisig verstecken …

(Leseprobe Ende – Meeting III)

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dark

Schatten erwachen …

Zunächst ist es nicht mehr als ein Schatten, der dich gruseln  lässt. Nicht mehr als das Gefühl eines Schattens. Dieses Gefühl, wenn der Schatten dich berührt. Sanft. Zärtlich tippt er an deine Schulter. Du erschauderst. Dein Blut rauscht. In  deinem  Kopf pocht es.

Einbildung, nichts dahinter. Du redest dir gut zu. Du bist kein Kind und glaubst nicht mehr an Märchen. Ich gebe dir recht.

Du bist kein Kind; nicht mehr.

Du glaubst nicht mehr an Märchen; nicht mehr.

Doch dein Glaube tut dann nichts zur Sache. …

Dann, wenn  Angst deine Kehle zuschnürt. Was hat denn dein Glaube für eine Bedeutung,  wenn du mit starrem Blick versuchst die Dunkelheit zu durchbrechen? Woran wirst du glauben, wenn  die  Finsternis nach dir ruft? Heulend nach Haus rennen, dich darin einschließen warten bis es vorüber ist? Ich dachte, du seist kein Kind mehr. Was wirst du tun?  Wirst du ihre Einladung annehmen? Welche Wahl bleibt dir schon? Ihr entfliehen kannst Du nicht, Dummerchen.  Du bist längst zu Hause.

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Dunkelheit …

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Diese alte Straßenlaterne – wie tapfer sie doch ist. Mit aller Kraft kämpft sie darum, der Dunkelheit Einhalt zu gebieten.

Diese alte Straßenlaterne – alles, was sie will, ist mir die Angst vor der Finsternis zu nehmen. Mich in Sicherheit zu wiegen. Sie leuchtet nur für mich. Sonst ist niemand da. Ich bin allein. Doch wie könnte sie mir bloß die Angst vor der Dunkelheit nehmen?

Ich lächle. Die Dunkelheit ist doch schon längst ein Teil von mir geworden. Ich bin ein Teil von ihr. Wir sind eins.

S. Kerling meets E. A. Poe