Ein letzter Atemzug …

Die angenehmsten Menschen sind jene,
die nie gelebt haben. (E. A. Poe)

EHS_2176 sw Drama

Sie hielt die Luft an, um besser in den Wald zu hören. Deutlich vernahm sie des Menschen letzten Atemzug. Ganz leise. Niemand anders konnte sein Wimmern mehr hören. Niemand sonst hätte sein Wehklagen hören wollen. Nur sie.

Sie kannte diesen Blick. Der Blick, wenn man sich dazu entschließt, sein Leben gehen zu lassen. Es war jener Augenblick, in dem man sich der Ausweglosigkeit bewusst wird. Dann, wenn man die Aussichtslosigkeit in sich aufnimmt. Wenn das Leben dem Tod Platz macht. Wenn es sich bereitwillig und aus freiem Willen zurückzieht.

Ein letzter Kampf, ein letztes Aufbäumen, bis man es endlich verinnerlicht hat. Ein letzter quälender Atemzug, nur um dann endlich loszulassen. Das Leben freizulassen und ihn willkommen zu heißen. Ihn, nach dem sich zu diesem Zeitpunkt alles in einem gequälten Körper sehnt: Den Tod.

Der Tod will nur eines: Jene, die nach ihm rufen und ihn darum bitten, von den Schmerzen zu befreien. Er kommt als das, was er ist. Als ein treuer Gefährte. Als eine Erlösung. Das Ende ist immer gleich. Es sind nur Nuancen, die sich voneinander unterscheiden. Ein bisschen höher, bisschen länger, klein wenig kürzer. Lauter, leiser. Doch nie ist er auch nur um eine Spur gnädiger.

© Svea Kerling

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S. Kerling meets E. A. Poe – Buchtrailer I

 

Ich weiß es. Kein Zweifel. Ich spüre es. Das Monster. Es ist hinter mir. Ganz nah. Sein modriger Gestank dringt in meine Nase und füllt meine Lunge mit fauligem Atem. Ekel steigt in mir empor; nimmt Besitz von meinem ganzen Körper. Ich möchte raus. Raus aus mir. Raus aus meinem Körper. Nicht mehr gegen das Unvermeidliche ankämpfen. Es wäre ein Leichtes, stehen zu bleiben ….

Meine Bücher

 

 

Verlassen …

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Bin verwirrt.

Traurig und  voller Zweifel

Müde.

Erschöpft.

Fühle mich einsam.

Verlassen.

Ich hasse mich. Ich schütze mich.

Bin mein eigener Beschützer.

Meiner Seele. Meines Körpers.

Möchte an meine Seele glauben,

doch kann ich es nicht.

Will an Träumen mich festhalten, doch

sie halten mich nicht.

Sie lassen mich fallen.

 

© Svea Kerling

Bild mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin Bianca Maria Samer.

Er sah ihnen den Schmerz an …

Er sah ihnen den Schmerz an. Ihre zu eisigen Masken gefrorenen Gesichter. Ihre ausgemergelten Körper, angetrieben aus Angst, den Mut nicht zu verlieren.

Ihre Augen; sie bemühten sich, ihre leeren Höhlen zu verbergen. Sie würden am liebsten hineinkriechen wollen. Nichts mehr sehen wollen. Hinein jenes das Nichts zu sehen, das vor ihnen lag.

Es war ihm ein Rätsel. Immer schon gewesen. Daran würde sich nichts ändern. Stolz und Tatendrang waren es, die ihren Opfern alles abverlangten. Vollkommene Befriedigung war es, die sie forderten. Von Woche zu Woche. Von Tag zu Tag. Von Stunde zu Stunde. Von Minute zu Minute. Von Moment zu Moment. Bis …

Bis zu jenem Augenblick, der ihr letzter sein würde. Dieser Augenblick, den sie mit genau dem bezahlten, was ihnen so lieb und teuer war: Ihrem Leben. Sie alle wollten das Leben auskosten. Ein Stück davon kosten, ohne nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, dass dieses Stück genau danach schmeckte, was es schlussendlich auch war: Nach Tod. Es war der Tod selbst, der ihnen mundete.

Mitleid? Nein. Es amüsierte ihn. Er amüsierte sich sogar königlich dabei, der Vernichtung dieser allesamt jämmerlichen Kreaturen beizuwohnen. Nicht das Leben war ein Spiel, er lachte in sich hinein.

»Ihr irrt meine Freunde. Der Tod ist es, der mit euch spielt und wir wissen alle, wer nicht verlieren kann. Niemals. Es ist wider sein Sein.«

©Svea Kerling 

Sie sind es …

 

Bis zu jenem Moment hattest du keine Ahnung. Bis zu jenem Abend; der Vorhang im Wohnzimmer hatte sich bewegt …

Es war alles eine Lüge …

Sie nannten mich verrückt, geistesgestört und irre. Ich wurde beäugt, begutachtet und diagnostiziert. Sie gaben mir einen Stempel und nannten es Krisenintervention. Sie fütterten mich mit bunten Pillen;  versicherten mir, dass bald alles wieder gut werden würde. Man sei hier, um mir zu helfen. Ich müsse mich mal ausschlafen. Mehr auf mich schauen. Lernen, Nein zu sagen. Diese Bilder, sie würden bald verschwinden. Es war alles eine Lüge. Sie alle haben mich nur angelogen.