Das Gesicht des Todes …

Es waren nur Spielfiguren, ausgesetzt dem Tauziehen zwischen Leben und Tod. Der Abgrund lag nicht vor ihnen.  Sie hatten ihn längst hinter sich gelassen. Sie fielen längst und nie bemerkten sie den harten Aufprall. So fixiert waren sie auf diesen kleinen zerbrechlichen Ast, den sie Hoffnung nannten. Und während sie danach griffen, bemerkten sie nicht, dass sie längst schon jeglichen Halt verloren hatten. Das, woran sie sich klammerten, war nichts mehr als ein Trugbild. Eine Fata Morgana der Seele. Menschen, diese verstümmelten Geschöpfe der Schöpfung, die sich in ihrer Wirklichkeit suhlten. Es war ihnen nichts mehr vorbestimmt, als ihre Wahrheiten zu leben. Ihre Wahrheit, die sie für unumstößlich hielten. Dass sie selbst es war, die schlussendlich den verheerenden Stoß versetzte, das kam ihnen nicht in den Sinn.

Der Stoß in den Abgrund. Der Todesstoß.

Nur dann konnten sie ihr Sein erfahren. Sie forderten ihn heraus. Ihn. Mit jeder Faser ihres banalen Daseins. Jedem Atemzug. Es war zutiefst lächerlich. So sehr sie um jeden Atemzug kämpften, fehlte es ihnen an der Begrifflichkeit. Jeder weitere Atemzug war es doch, der sie ihrer schlussendlichen Bestimmung näherbrachte. Wie dumm sie doch war. Diese Krönung der Evolution. Was wollten sie beweisen? Womit?

»Ihr Schwachköpfe! Was wollt ihr beweisen und vor allem wem? Euch selbst? Was? Wem? Dass ihr dem Tod ins Gesicht sehen müsst, um eure eigene Existenz rechtfertigen zu können? Müsst ihr ihm in seine Augen blicken, um zu begreifen? Endlich zu begreifen? Endlich zu sehen?«

Ohne sich dessen bewusst zu sein, dass sein Gesicht das letzte sein wird, was sie sehen: Das Gesicht des Todes.

©Svea Kerling 

 

 

 

 

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S. Kerling meets E. A. Poe – Buchtrailer I

 

Ich weiß es. Kein Zweifel. Ich spüre es. Das Monster. Es ist hinter mir. Ganz nah. Sein modriger Gestank dringt in meine Nase und füllt meine Lunge mit fauligem Atem. Ekel steigt in mir empor; nimmt Besitz von meinem ganzen Körper. Ich möchte raus. Raus aus mir. Raus aus meinem Körper. Nicht mehr gegen das Unvermeidliche ankämpfen. Es wäre ein Leichtes, stehen zu bleiben ….

Meine Bücher

 

 

Hoffnung …

Sie beschützten jene, die es bis hierher geschafft hatten. Ein Rätsel, warum die Lebenden wieder fortgingen und diesen geschützten Ort verließen. Menschen nannten es Hoffnung. Ob diese Hoffnung da draußen auf sie wartete und sie mit offenen Armen empfangen würde? Was war es denn, was sie so tief in den Wald getrieben hatte? Die Hoffnung selbst? Die Hoffnung machte wohl ein Spiel daraus, Gepeinigte noch mehr leiden zu lassen. Aber das war nicht ihr Spiel.

Zu meinen Büchern

Hoffnung – eine Tragödie in drei Akten.

welle

Schier leblos trieb ihr Körper im Wasser. Ihr Gesicht brannte unter der Sonne. Trugbilder waren das Einzige, woran sie sich festhalten konnte und worauf sie vertraute. Sie vertraute darauf, dass sie ihnen nicht vertrauen konnte. Mehr brauchte es jetzt nicht. Trugbilder hatten nur eine einzige Funktion: zu betrügen. Wer daraus falsche Hoffnungen knüpfte, konnte sich auch gleich an seiner geknüpften Hoffnung aufknüpfen.

Ihre Augenlider wurden schwer. Es wäre ein Leichtes, sie zu schließen. Vielleicht etwas schlafen. Nur ein kurzes Nickerchen. Oder für immer …

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Excerpt Ende

Erlösung …

Warum hätte er sich dem Unvermeidlichen in den Weg stellen sollen? Warum gegen etwas ankämpfen, das unbesiegbar war? Warum einem Menschen das Letzte nehmen, was ihm blieb: Die Hoffnung.

Die Hoffnung, in Würde zu sterben.

 

Traurige Augen …

Augen

Ihre leicht gebückte Haltung verriet ihm, dass sie eine schwere Last zu tragen hatte. Es war eine dieser Lasten, die man gut vor den Blicken anderer verbergen konnte. Eine dieser Lasten, die stets unsichtbar war vor den Augen anderer. Gut versteckt im hintersten Winkel der Seele.

Das Buch zur Leseprobe

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Totenblumen

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Blumen sprachen ohne Stimme und doch deutlich. Manchmal schickten sie Worte in Bildern. Für die junge Frau hatten Blumen gewiss etwas Magisches. Etwas, das sie sich nicht erklären konnte. Blumen erfüllten jeden Raum mit Leben. Mit Licht. Sie konnte sich nicht sattsehen an ihrer Pracht. So wunderschön. Sie spendeten Liebe und Trost. Auch nachdem sie gestorben waren. Blumen hatten die Macht, auch noch im Tod wunderschön zu sein. Als könne ihnen selbst Gevatter Tod nichts anhaben.

Als sänke selbst die Ewigkeit ihr Antlitz vor so viel Liebreiz.

Aber eine von ihnen übertraf sie alle an Anmut und Grazie. Es war die Edelste unter ihnen. Sie verführte mit ihrem Zauber. Fast fühlte man sich dazu bedrängt, vor Ehrfurcht sein Haupt zu verneigen. So majestätisch. Die Sinnlichste unter ihnen: Die Rose.

Menschliches Blut war es, von dem sie sich nährte. Menschliches Blut war es, das sie forderte. Doch das war ein nur allzu geringer Preis, den fast alle zu zahlen bereit waren.

Es war der Preis dafür, dass man sich an ihrem Wesen ergötzen durfte. Der Preis dafür, ihr entgegenzutreten und sich an ihrem Wesen laben zu dürfen.

Blumen, ein Geschenk des Lebens an sich selbst. Blumen waren ein Zeichen dafür, dass man den Tod nicht zu fürchten hatte. Warum sonst hätte das Leben die Blumen erschaffen? Warum sonst so ein Meisterwerk erblühen lassen?

 

Viele Wege führen zum Buch. S. Kerling meets E. A. Poe gibt es hier.