Etwas …

Dieser Sommer war beharrlich gewesen, doch der Herbst ist nicht mehr länger bereit, höflich um Einlass zu bitten. Bald würde seiner Wut niemand mehr Einhalt gebieten können.

Noch ist er zurückhaltend und begnügt sich damit, über meine Wangen zu streichen und sanft mein Haar zu berühren. Eine kurze Weile genieße ich seine Liebkosungen und vergesse die Einsamkeit, die mich umgibt.

Ein Geräusch. Ich schrecke hoch. Mein Blick in die Dunkelheit verrät mir nichts. Da ist nichts. Nichts, das meine Augen erspähen könnten. Nichts, das mit klarem Verstand zu erfassen wäre. Nichts, außer einem Etwas, das deutlich spürbar ist. Etwas, das meine Seele berührt. Etwas, das meiner Seele bekannt ist. Etwas, das meine Seele vor Neugier zerspringen lässt.

© Svea Kerling

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Das Leben – so scheint es – ist eine üble Sache. (Die Equipe – der letzte Sitzkreis)

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Keiner da; ich stehe mitten im Raum. Ein Raum, nicht groß, nicht klein. Hell. In seiner Mitte Stühle mit blauen Sitzauflagen, eine davon wirkt bereits stark abgenützt.

Ich sehe ihn vor mir sitzen. Er sitzt immer dort; den Block auf seinem Schoß, sein Blick oft leer. Hoffend. Resignierend. Das Leben – so scheint es – ist eine üble Sache. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, darüber nachzudenken. Ich muss schmunzeln, richte meinen Hut, schiebe den Stuhl zurecht und nehme Platz. Es macht keinen Unterschied, ob ich sitze oder stehe …

© 2017 Svea Kerling (Die Equipe – der letzte Sitzkreis)

Die Equipe …

In ihrem Roman »Die Equipe« richtet sich die Autorin Svea Kerling nicht nach der Identität der Darsteller, sondern bringt eine Darstellung in den Raum, die sich nach dem Handeln der einzelnen Darsteller richtet.

»Die Equipe« ist im Sinne der griechischen Tragödie ein durch und durch tragischer Roman, der Menschen in einer Therapiegruppe zusammenführt – unter der Anleitung eines Therapeuten. Dieser versucht – ganz der griechischen Tragödie folgend – bei seinen »Schützlingen« eine Katharsis – eine Reinigung und ein Erkennen – durchzuführen.

Doch, und das ist die Besonderheit, der sich durch die ganze Geschichte zieht, die Darsteller denken nicht an eine Katharsis, ein Teilnehmer nach dem anderen führt das ganze Geschehen ad absurdum. Gleichzeitig versucht jeder der Teilnehmer, seine Wirklichkeit und sein Erlebtes in einem alternativen Licht zu sehen und zu den anderen in Bezug zu bringen.

Die Selbsthilfegruppe – als Therapie gedacht – wird zu einem Theaterstück, das sich auch dadurch auszeichnet, dass dem Leser die Freiheit gegeben wird, sich mit den einzelnen Darstellern, die ja nur ihre Geschichte erzählen, zu identifizieren und so zur eigenen Rezeption zu finden.

Dieses Werk kann aber auch, und das zeichnet den Mut dieses Buches aus, als eine Kritik an der Methode der Gruppentherapie, wie sie vielerorts durchgeführt wird, verstanden werden. Der Therapeut und der Anspruch an die Gruppe ergibt etwas ganz Neues. Die einzelne Person kann und wird nicht mehr länger als ein ICH auftreten, sondern als Teil der Gruppe fungieren.

»Die Equipe« kennt keine Alternative am Ende, und doch gelingt es dem Leser, sich in den jeweiligen Personen einmal mehr und einmal weniger wiederzufinden. Das Mögliche und das Notwendige stehen immer im Mittelpunkt des Geschehens, kurze straffe Handlungseinheiten und sein anscheinend geringer Umfang ohne Nebengeräusche machen aus dem Werk von Svea Kerling ein kleines Meisterwerk der Tragödie.

Countdown bis zum Erscheinen läuft …

Unbenannt

 

Es freut mich sehr …

Es ist nicht meine Art – aber lasst mich doch ein wenig unartig sein.

Nicht oft (vielmehr unverhofft) versetzt man mich in Staunen  – wie auch mit dieser aktuellen Rezension.

Just als ich in finstren Gedanken schwelgte, hat es mein Herz erfreut.

Und somit einen sprichwörtlich herzlichen Dank dafür.

Klick zur Amazon_Rezension

2017-09-21 21_14_43-Amazon.de_Kundenrezensionen_ S. Kerling meets E. A. Poe

Eine Reise durch die Schattenwelt

Etwas …

Dieser Sommer war beharrlich gewesen, doch der Herbst ist nicht mehr länger bereit, höflich um Einlass zu bitten. Bald würde seiner Wut niemand mehr Einhalt gebieten können.

Noch ist er zurückhaltend und begnügt sich damit, über meine Wangen zu streichen und sanft mein Haar zu berühren. Eine kurze Weile genieße ich seine Liebkosungen und vergesse die Einsamkeit, die mich umgibt.

Ein Geräusch. Ich schrecke hoch. Mein Blick in die Dunkelheit verrät mir nichts. Da ist nichts. Nichts, das meine Augen erspähen könnten. Nichts, das mit klarem Verstand zu erfassen wäre. Nichts, außer einem Etwas, das deutlich spürbar ist. Etwas, das meine Seele berührt. Etwas, das meiner Seele bekannt ist. Etwas, das meine Seele vor Neugier zerspringen lässt.

© Svea Kerling

Der Abgrund …

Mitleid? Nein. Es amüsierte ihn. Er amüsierte sich sogar königlich dabei, der Vernichtung dieser allesamt jämmerlichen Kreaturen beizuwohnen. Nicht das Leben war ein Spiel, er lachte in sich hinein.

»Ihr irrt meine Freunde. Der Tod ist es, der mit euch spielt und wir wissen alle, wer nicht verlieren kann. Niemals. Es ist wider sein Sein.«

Sie waren nur Spielfiguren, ausgesetzt dem Tauziehen zwischen Leben und Tod. Der Abgrund lag nicht vor ihnen. Nie. Sie hatten ihn längst hinter sich gelassen. Sie fielen.

So fixiert waren sie auf diesem kleinen zerbrechlichen Ast, den sie Hoffnung nannten. Und während sie danach griffen, bemerkten sie nicht, dass sie längst schon jeglichen Halt verloren hatten. Das, woran sie sich klammerten, war nichts mehr als ein Trugbild. Eine Fata Morgana der Seele. Menschen, diese verstümmelten Geschöpfe der Schöpfung, die sich in ihrer Wirklichkeit suhlten. Es war ihnen nichts mehr vorbestimmt, als …

© Svea Kerling (aus „Die Equipe“)

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Ein letzter Atemzug …

Die angenehmsten Menschen sind jene,
die nie gelebt haben. (E. A. Poe)

EHS_2176 sw Drama

Sie hielt die Luft an, um besser in den Wald zu hören. Deutlich vernahm sie des Menschen letzten Atemzug. Ganz leise. Niemand anders konnte sein Wimmern mehr hören. Niemand sonst hätte sein Wehklagen hören wollen. Nur sie.

Sie kannte diesen Blick. Der Blick, wenn man sich dazu entschließt, sein Leben gehen zu lassen. Es war jener Augenblick, in dem man sich der Ausweglosigkeit bewusst wird. Dann, wenn man die Aussichtslosigkeit in sich aufnimmt. Wenn das Leben dem Tod Platz macht. Wenn es sich bereitwillig und aus freiem Willen zurückzieht.

Ein letzter Kampf, ein letztes Aufbäumen, bis man es endlich verinnerlicht hat. Ein letzter quälender Atemzug, nur um dann endlich loszulassen. Das Leben freizulassen und ihn willkommen zu heißen. Ihn, nach dem sich zu diesem Zeitpunkt alles in einem gequälten Körper sehnt: Den Tod.

Der Tod will nur eines: Jene, die nach ihm rufen und ihn darum bitten, von den Schmerzen zu befreien. Er kommt als das, was er ist. Als ein treuer Gefährte. Als eine Erlösung. Das Ende ist immer gleich. Es sind nur Nuancen, die sich voneinander unterscheiden. Ein bisschen höher, bisschen länger, klein wenig kürzer. Lauter, leiser. Doch nie ist er auch nur um eine Spur gnädiger.

© Svea Kerling

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