Dunkelheit …

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Einst klopfte die Dunkelheit an bei mir. Langsam und beinahe zögerlich. Sie blieb lange Zeit unbemerkt. Zunächst. Doch sie war beharrlich. Sie klopfte und klopfte. Nie forsch. Nie böse. Nie gereizt. Nie ungeduldig. Sie hatte alle Zeit der Welt. Sie war da. Schon immer. Schon vor Anbeginn der Zeit …

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Verrückt …

»Wenn ich nicht schon verrückt wäre, dann …«

»Natürlich bist du es. Du bist verrückt. Fernab von ihren Linien. Verrückt von ihren Wegen, die nicht die deinigen sind. Wir haben alle unseren Weg, verrückt und fernab von anderen Wegen. Nur wenige beschreiten ihn. Wenige finden den Mut dazu. Lieber trampeln sie zwanghaft auf fremden Wegen herum, die sie für ihre angestammten und einzig richtigen halten. Sie erklären dich für geistesgestört und krank, weil du nicht in ihre Welt passt. Sie haben nur eine Welt. Und diese beschützen sie mit all ihrer Engstirnigkeit und ihrem vernichtenden Hass. Hass auf das Unbekannte. Hass auf ihre Angst. Angst vor ihrer Angst. Hass darauf, dass sie nicht sehen. Nicht wissen. Wir müssen nicht hinsehen, um zu wissen. Wir müssen uns nicht nach unserem Jäger umdrehen. Wir selbst sind der Jäger. Und wir selbst sind auf der Jagd. Auf der Jagd nach unserem Selbst.«

S. Kerling meets E. A. Poe

 

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Todesstoß …

Es waren nur Spielfiguren, ausgesetzt dem Tauziehen zwischen Leben und Tod. Der Abgrund lag nicht vor ihnen. Nie. Sie hatten ihn längst hinter sich gelassen. Sie fielen längst und spürten den harten Aufprall nicht. So fixiert waren sie auf diesen kleinen zerbrechlichen Ast, den sie Hoffnung nannten. Und während sie danach griffen, bemerkten sie nicht, dass sie längst schon jeglichen Halt verloren hatten. Das, woran sie sich klammerten, war nicht mehr als ein Trugbild. Eine Fata Morgana der Seele. Menschen, diese verstümmelten Kreaturen der Schöpfung, die sich in ihrer Wirklichkeit suhlten. Es war ihnen nichts mehr vorbestimmt, als ihre Wahrheiten zu leben. Ihre Wahrheit, die sie für unumstößlich hielten. Sie selbst waren es, die sich schlussendlich den verheerenden Stoß versetzten, doch das kam ihnen nicht in den Sinn. Der Stoß in den Abgrund. Der Todesstoß. Nur dann konnten sie sich selbst erfahren. Sich erleben. Sie forderten ihn heraus.

© Svea Kerling

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Eigentlich …

 

»Eigentlich? Ach bitte, hör doch mit diesem sentimentalen Quatsch auf. Lieben – wenn überhaupt – kannst du nur dich selbst oder das, was du tust. Oder auch das, was du nicht tust, und das, was du nicht bist. Allenfalls lass es bleiben. Und jedes Eigentlich erledigt sich somit von selbst.«

© Svea Kerling

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Nichts für ungut …

Buecher.jpgDie Blicke aller hier Sitzenden waren nunmehr auf sie gerichtet. Sie saß immer knapp einen halben Meter abseits vom sonst fast perfekt symmetrischen Sitzkreis.

Unfried nickte in sich hinein. »Wir sind ein ganz gutes Stück vorangekommen. Ich bin stolz auf Sie alle.« Unfried war sichtlich mit sich zufrieden, doch weit davon entfernt, diesen Umstand zu genießen. Dazu war auch keine Zeit.

Kjell brannte währenddessen eine Frage auf der Zunge. »Nichts für ungut, alte Frau. Gut gebrüllt, möchte man meinen. Fast philosophisch anmutend, aber …«, er wiederholte sich theatralisch ausladend mit einem Blick zu Hanna, »aber … was ist jetzt mit diesem Liebesgedöns, Hanna? Dieses Dings mit mangelnder Liebe. Keiner Liebe. Keinem Familienzusammenhalt. Es interessiert mich, Hanna. Die Alte kann mich mal.« Kjell wandte sich an die alte Frau und zwinkerte ihr zu. »Vielleicht würdest du ja. Aber ich müsste verneinen. Ich steh nicht auf Cremetorten. Eventuell auf …

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»… ein Kackhaufen hier.«

„… wie ein Versuchsäffchen vor seiner ersten Behandlung.

Rebellen hatte er schon in der Pfeife geraucht und das mehrmals; sogar hintereinander, sogar vor dem Frühstück. Das hatte er. Hatte er doch, oder?

»… ein Kackhaufen hier.«

Es wurde still.

Kein Raunen.

Niemand schaukelte, niemand wippte.

Kein Atmen.

Kein Papier.

Keine Schokolade.

… unter seiner hellen Haut zeichneten sich die Adern genau ab.“

© 2017 Svea Kerling (Die Equipe – der letzte Sitzkreis)

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Das Leben – so scheint es – ist eine üble Sache. (Die Equipe – der letzte Sitzkreis)

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Keiner da; ich stehe mitten im Raum. Ein Raum, nicht groß, nicht klein. Hell. In seiner Mitte Stühle mit blauen Sitzauflagen, eine davon wirkt bereits stark abgenützt.

Ich sehe ihn vor mir sitzen. Er sitzt immer dort; den Block auf seinem Schoß, sein Blick oft leer. Hoffend. Resignierend. Das Leben – so scheint es – ist eine üble Sache. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, darüber nachzudenken. Ich muss schmunzeln, richte meinen Hut, schiebe den Stuhl zurecht und nehme Platz. Es macht keinen Unterschied, ob ich sitze oder stehe …

© 2017 Svea Kerling (Die Equipe – der letzte Sitzkreis)