Einsamkeit …

»Und ist nicht gerade die Einsamkeit jene, die unsere Gedanken auf Reisen schickt? Ist die Einsamkeit nicht gerade jene, die uns Abgründe erkennen lässt? Sie ist es doch, die Erklärungen für unsere Albträume liefert. Nacht für Nacht. Tag für Tag. Immerfort. Wir blicken in die Tiefe unserer Seele und beginnen zu sehen. Zu erkennen. Wir verstehen und begreifen. Einsamkeit öffnet uns die Augen. Sie erlaubt uns in jene Abgründe zu blicken, von deren Existenz wir nie zu ahnen wagten. Sie fordert uns auf hinzusehen. Nur so können wir erkennen, was in der Dunkelheit auf uns wartet. Ist es nicht das Verborgene und auch das Rätselhafte selbst, was Menschen schon immer angetrieben hat? Die Neugier, das Unbekannte zu erkennen? Dem Unbekannten seinen Schrecken zu nehmen.«

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Nur eine Beute von vielen …

Ein monströser Schatten über mir. Das Maul öffnet sich. Die Kreatur macht sich dazu auf, mich zu verschlingen; doch gerade ihr widerlicher Atem ist es, der mich anspornt und mir die nötige Kraft verleiht, die Tür aufzureißen. Ich stolpere ins Innere des Hauses. Mit einem lauten Knall fällt die Tür hinter mir zu.

Ich lausche. Um mich herum ist es still. Das Ungeheuer scheint keine Anstalten zu machen, die Tür eindrücken zu wollen. Ich lehne mich dagegen. Nichts. Ich lausche erneut. Alles ruhig. Kein Kratzen an der Tür. Kein Schnaufen. Nichts. Gibt es so leicht auf? Bin ich ihm nichts wert? Mehr steckt nicht dahinter? Bin ich nur eine Beute von vielen? Ein seltsames Gefühl von Eifersucht beschleicht mich.

Meine Bücher

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Die Anderen …

Er wusste, die Straßen zeigten sich seelenlos, doch wie so oft war es nur der Schein, der Sicherheit vorgaukelte.

Er verriet nichts von den Anderen.

Die Anderen, die auf der Jagd waren. Auf der Jagd nach ihnen und ihren Seelen.

Nein, sie kamen nicht durch die Tür oder durch das offengelassene Fenster. Sie kamen mit dem Wind.

Unscheinbar, unbemerkt in der Tarnung einer kurz aufflackernden Ahnung.

Meine Bücher

 

 

 

Der tote Freund …

»Auf jeden Fall kein Leben wie du es kennst.«

Diese Stimme im Kopf würde ihn noch verrückt machen. Er halluzinierte. Er bildete sich Stimmen sein. Er war müde und hungrig. Hatte seit Tagen weder gegessen noch getrunken. Seine Nerven spielten ihm Streiche. Böse Streiche. Er musste schlafen. Sich kurz ausruhen. Doch bislang war er an keiner Stelle vorbeigegangen, die ihm auch nur annähernd Schutz versprochen hätte. Er musste weiter und den Leichnam vergraben. Am besten hier. Er war tief bis in die Waldesmitte vorgedrungen. Sogar der Mond hatte längst damit aufgehört, ihn zu begleiten. Keine Eule, die mit ihrem Schrei Blut zum Erstarren brachte. Keine Maus, die im Laub raschelte. Keine Augen, die ihn aus dem Dickicht beobachteten. Er sollte seinen Freund hierher legen. Ihn weich auf Laub betten und seinen Körper unter Ästen und Reisig verstecken …

(Leseprobe Ende – Meeting III)

Zu meinen Büchern

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Gefangene der Zeit …

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Das wenige Licht, das die Straßenlaternen spendeten, verlor sich im Nichts. Nur in den Wohnungen brannte Licht. Lampen flackerten grundlos und gelangweilt in die Leere.

Wohnungen, die scheinbar sorglos auf ihre Bewohner warteten. Räume, gefangen im Augenblick. Stühle, noch warm. Teller, die darauf warteten, genutzt zu werden. Betten, die ihre Besitzer einluden.

Behausungen, die in die Irre führten. Wohnungen, die auf Leben zu warten schienen. Doch jegliches Leben war verschwunden. Aus den Wohnungen. Aus ihren Betten. Von den Straßen. Hier hatte Leben keinen Platz. Leben wie er es gekannt hatte.

S. Kerling meets E. A. Poe

 

Foto: Pixabay

Schäbiges Licht …

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Das schäbige Licht meiner schäbigen Lampe taucht das Zimmer in schäbiges Dunkel. Seit geraumer Zeit übernimmt diese Lampe die Funktion meines treuen Begleiters und Wächters in der Nacht. Sie gibt mir das Gefühl der – wenn auch trügerischen – Sicherheit. Als ob die Lampe mit ihrem zaghaften Licht das Böse von mir fernhalten könnte. Alle Lampen der Welt, so sehr sie auch strahlen, wären nicht in der Lage, sich gegen das Böse zu wehren. So sehr sich meine Nachttischlampe auch bemüht, ihr Licht würde nicht reichen, um meine Gedanken in Helligkeit zu tauchen. Ihr Schein würde nicht reichen, das Böse von mir fernzuhalten. Davon abzuhalten, dass es Nacht für Nacht an mein Bett schleicht. Mich beim Schlafen beobachtet. Doch ich klammere mich an diesen Gedanken wie ein Sterbender an das Leben. Wie ein Betender, der um Gottes Gnade winselt. Jenen Gott, der sich am menschlichen Leid zu ergötzen scheint. So ist das mit uns Menschen und ich stelle keine Ausnahme dar. Je trügerischer die Hoffnung, umso fester und verzweifelter das krampfhafte und verbissene Festkrallen daran.

S. Kerling meets E. A. Poe

Foto: Pixabay

Kennst Du die Nacht?

Kennst Du die Nacht

mit all ihren Liedern?

Sie dringen an Dein Ohr.

Lausche!

Auf dass es Deine Sinne berausche!

Dieses eine Lied.

Du kennst es bestimmt.

Hast es gehört.

Damals, als Kind.

Hast Dich gefürchtet, Dich versteckt.

Gehofft, dass Dich niemand entdeckt.

Vertraue mir,

hab keine Angst!

Diese Stimmen,

sie gehören zu Dir.

Nein! Nein! Deine Sinne spielen dir ganz sicher einen Streich. Wie sollte es anders sein. Du hast zu wenig geschlafen. Diese Albträume. Sie haben wieder angefangen und jeder weiß, dass einem die Sinne übel mitspielen, wenn man müde ist. Ja, das trifft es. Du bist einfach nicht klar bei Sinnen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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Pic: Pixabay