Unersättlich …

Er lauert. Er lauert darauf, mir weh zu tun. Er lauert darauf, emporzusteigen aus den Tiefen der Hölle, die in meinem Innersten brennt. Dieser Schmerz, kaum aushaltbar. Ich versorge ihn gut mit Kummer und Pein. Unermessliche Qual ist es, mit der ich ihn füttere und an der er sich noch immer labt. Ich höre ihn schmatzen, er ist ein Genießer, streckt seine Krallen aus. Er will mehr. Mehr davon. Immer mehr. Unersättlich, sein Verlangen nach immer neuen Wunden. Er verlangt nach ihnen, er verlangt nach mir. Er begehrt mich. Er kaut langsam, damit der Geschmack lange erhalten bleibt; würzt seine Leibspeise mit Schrecken und Angst. Es ist meine Angst. Angst davor, hinzusehen, wie er vor lauter Freude seine Fratze zeigt, sein Geifer aus seinen Mundwinkeln tropft, voller Vorfreude. Er lacht mir ins Gesicht. Ich sehe ihn grinsen. Er wechselt seine Gestalt, doch ich erkenne ihn an seiner Gier, die körperlich zu spüren ist. Sie liegt wie ein Totenschleier über seinem Opfer. Über mir. Sein Magen knurrt. Er hat Hunger, …

Meine Bücher

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Es war bloß das Leben …

Sie wussten nichts davon. Wie es war. Was es war. Was war dieses Leben? Sie konnten sich nicht mehr daran erinnern. Jede vage Ahnung daran war verblasst. Nichts war geblieben. Wissen, verschwunden in der Ewigkeit. Allein der Umstand, dass das Leben ihnen fremd war, gab ihnen Grund, es zu verteufeln, zu jagen und zu vernichten. Es war nichts weiter als Angst vor dem, wofür andere bereit waren zu sterben. Angst vor dem Leben. Und so mordeten und schlachteten sie weiter. Metzelten diejenigen nieder, die hier nach Zuflucht suchten. Diejenigen, die nur aus einem Grund kämpften: Um zu überleben. Die Sünde, die ihren Opfern vorgeworfen wurde und wofür sie gehängt wurden, war das Leben.

Leseprobe aus S. Kerling meets E. A. Poe

 

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Traurige Augen …

gothic-1629448_1280 (1).jpgIhre leicht gebückte Haltung verriet ihm, dass sie eine schwere Last zu tragen hatte. Es war eine dieser Lasten, die man gut vor den Blicken anderer verbergen konnte. Eine dieser Lasten, die stets unsichtbar war vor den Augen anderer. Gut versteckt im hintersten Winkel der Seele.

Nur einmal hatte er die Chance wahrgenommen, in ihre Augen zu blicken. Es waren traurige Augen. Augen, in denen der Glaube an jedwede Hoffnung längst gestorben war. Augen, die mit aller Kraft die leidende Seele zu verstecken versuchten. Augen, die ein Geheimnis hüteten.

S. Kerling meets E. A. Poe

 

Foto: Pixaby

Bitterer als sonst …

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… Es soll sich in Luft auflösen. Alles. Alles soll sich auflösen. Verpuffen. Ich möchte mich in Luft auflösen. Ich öffne das Fenster und blicke in den Hof. Von hier aus möchte ich aufsteigen. Als Rauch. Schall und Rauch. Leicht will ich sein und gen Himmel fliegen. Halt finden auf einer Wolke. Gehalten werden von einem Engel. Meinem Schutzengel.

Meine Tränen schmecken bitter. Bitterer als sonst.

Ja, vielleicht sollte ich das tun. Fliegen. Doch kein Engel würde mir seine Hand reichen und mich festhalten. Er würde mich zurückstoßen. Ich würde fallen. Wieder. Ich würde landen. Auf dem kalten und harten Boden. Es wäre ein schmerzlicher Aufschlag. Wieder. Willkommen in der Hölle. Wieder.

*********

 

 

Bild: pixaby

Weine nicht …

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Alles Leben mir entwichen.

Der Endlichkeit des Seins entronnen.

Ein  Zustand;

dem Sein unbekannt.

Ein tiefer Schmerz in deiner Seele.

Weine nicht …

 

 

https://pixabay.com/de/grab-grabmal-friedhof-grabstein-1229137/

 

Tränen

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Tränen.

So bitter sie auch schmecken.

Ihre Süße kann

dein Herz erwecken.

Tränen.

Hauchen Atem dir ein und Leben.

Nach Höherem wirst du streben.

Tränen.

Ihr Salz, du wirst es schmecken.

Von den Toten werden sie dich erwecken.

Du wirst fühlen.

Du wirst spüren.

Leben, es wird dich verführen.

Gebe dich hin!

Lass es zu!

So ist es perfekt.

Nahezu.

© Svea Kerling

 

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Die liebe Familie, Freunde und andere Katastrophen

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… und bevor ich es vergesse:

Wir fallen tief und stehen doch wieder auf. Wir zerren uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf. Wir sind es gewohnt, allein zu gehen. Es wird nie jemand verstehen. Nicht bevor er selbst ein Teil unserer abnormalen Welt wird. Die Menschen, die uns am lautesten mit Sprüchen zutexten, sind es, die uns nie ihre Hand reichen würden, wenn wir fallen. Denn sie merken es nicht. Sie wollen es gar nicht wissen.

„Es wird nie so heiß gegessen wie gekocht.“

„Nach jedem Regen folgt Sonnenschein.“

„Du schaffst das schon, du bist stark.“

„Anderen geht es noch viel schlimmer.“

„Schau endlich, dass du deinen Arsch hochbekommst.“

„Stell dich nicht so an.“

„Du bist nur faul.“

„Du bist nur egoistisch.“

„Du denkst nicht an andere.“

„Reiß dich endlich zusammen.“

 

Kapisch? 😉