Seelenlos

Ihre leicht gebückte Haltung verriet ihm, dass sie eine schwere Last zu tragen hatte. Es war eine dieser Lasten, die man gut vor den Blicken anderer verbergen konnte. Eine dieser Lasten, die stets unsichtbar war vor den Augen anderer. Gut versteckt im hintersten Winkel der Seele. Nur für einen kurzen Augenblick bekam er die Möglichkeit, in ihre Augen zu sehen. Es waren traurige Augen. Augen, in denen der Glaube an jedwede Hoffnung längst gestorben war. Augen, die mit aller Kraft die leidende Seele zu verstecken versuchten. Augen, die ein Geheimnis hüteten.

Er bedankte sich für die wunderbare Arbeit und beglich die Unkosten. Bevor er durch die Tür verschwand, blieb er stehen, um sie im väterlichen Ton dazu zu ermahnen, doch die Tür fest hinter ihm abzuschließen.

Er wusste, die Straßen zeigten sich seelenlos, doch wie so oft war es nur der Schein, der Sicherheit vorgaukelte. Er verriet nichts von den Anderen. Die Anderen, die auf der Jagd waren. Auf der Jagd nach ihnen und ihren Seelen. Nein, sie kamen nicht durch die Tür oder durch das offengelassene Fenster. Sie kamen mit dem Wind. Unscheinbar, unbemerkt in der Tarnung einer kurz aufflackernden Ahnung. … Leseprobe Ende

©  SveaKerling

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S. Kerling meets E. A. Poe – Buchtrailer I

 

Ich weiß es. Kein Zweifel. Ich spüre es. Das Monster. Es ist hinter mir. Ganz nah. Sein modriger Gestank dringt in meine Nase und füllt meine Lunge mit fauligem Atem. Ekel steigt in mir empor; nimmt Besitz von meinem ganzen Körper. Ich möchte raus. Raus aus mir. Raus aus meinem Körper. Nicht mehr gegen das Unvermeidliche ankämpfen. Es wäre ein Leichtes, stehen zu bleiben ….

Meine Bücher

 

 

Traurige Augen …

gothic-1629448_1280 (1).jpgIhre leicht gebückte Haltung verriet ihm, dass sie eine schwere Last zu tragen hatte. Es war eine dieser Lasten, die man gut vor den Blicken anderer verbergen konnte. Eine dieser Lasten, die stets unsichtbar war vor den Augen anderer. Gut versteckt im hintersten Winkel der Seele.

Nur einmal hatte er die Chance wahrgenommen, in ihre Augen zu blicken. Es waren traurige Augen. Augen, in denen der Glaube an jedwede Hoffnung längst gestorben war. Augen, die mit aller Kraft die leidende Seele zu verstecken versuchten. Augen, die ein Geheimnis hüteten.

S. Kerling meets E. A. Poe

 

Foto: Pixaby

Horizont

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… doch sie blieb ruhig. Ihr Auto kannte das Ziel. Sie beide kannten es. Es würde sie beide dorthin bringen. Zum Horizont.

Wärme. Wohlige, heimelige Wärme. So musste sich ein gemütlicher Winterabend vor einem Kamin anfühlen. Sie war endlich daheim. Sie fühlte sich geborgen. Endlich. Beschützt. Endlich.

»JETZT!«

Hanna öffnete ihre Augen. Sie starrte auf ihre Hände. Blut. Blut an ihren Händen. Scherben hatten sich in ihre Hände gebohrt. Grelles, glühendes Licht biss in ihren Augen. Es tat so weh. Der Sternenstaub. Wo war er bloß geblieben?

Der Fahrer drehte das Radio lauter: »… die Straße ist gesperrt. Sie werden örtlich von der Polizei umgeleitet. Bitte fahren Sie vorsichtig!«

»Schau, die Rettung und da, noch ein Feuerwehrauto!«

Seine Beifahrerin nickte: »Ja, es muss etwas Schreckliches passiert sein.«

De Wagen der jungen Frau überschlug sich und landete im Graben. Der Feuermann wich einen Schritt zurück. Längst hatten die Flammen das ganze Auto verschlungen.

 

© Svea Kerling

 

 

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Weine nicht …

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Alles Leben mir entwichen.

Der Endlichkeit des Seins entronnen.

Ein  Zustand;

dem Sein unbekannt.

Ein tiefer Schmerz in deiner Seele.

Weine nicht …

 

 

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Die liebe Familie, Freunde und andere Katastrophen

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… und bevor ich es vergesse:

Wir fallen tief und stehen doch wieder auf. Wir zerren uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf. Wir sind es gewohnt, allein zu gehen. Es wird nie jemand verstehen. Nicht bevor er selbst ein Teil unserer abnormalen Welt wird. Die Menschen, die uns am lautesten mit Sprüchen zutexten, sind es, die uns nie ihre Hand reichen würden, wenn wir fallen. Denn sie merken es nicht. Sie wollen es gar nicht wissen.

„Es wird nie so heiß gegessen wie gekocht.“

„Nach jedem Regen folgt Sonnenschein.“

„Du schaffst das schon, du bist stark.“

„Anderen geht es noch viel schlimmer.“

„Schau endlich, dass du deinen Arsch hochbekommst.“

„Stell dich nicht so an.“

„Du bist nur faul.“

„Du bist nur egoistisch.“

„Du denkst nicht an andere.“

„Reiß dich endlich zusammen.“

 

Kapisch? 😉

 

 

 

Nachtruhe

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Ich konzentriere mich auf meinen Atem; versuche so, die Anspannung aus mir zu verbannen; mich zu beruhigen. Ruhig mein Herz, schlage still.

Ich mag es sehr. Ich mag es, wenn die Stille einkehrt in der Klinik. Niemand schleicht mehr durch die Gänge. Keine verstohlenen Blicke, kein unmotiviertes Grinsen und kein beschämendes „Hallo“. Kein Heucheln von Freude und guter Laune. Es ist einfach still. So, wie ich es liebe. Wenn die Nacht endlich ihren schützenden Schleier ausbreitet und man die Geister nur mehr schemenhaft erblickt. Dann, wenn der Wahnsinn schläft. Dann, wenn die Furcht vor der Nacht andere erschaudern lässt. Ja, dann fühle ich mich geborgen.

Die Tür wird leise geöffnet. Das schwache Licht einer Taschenlampe tastet meine Umrisse ab. Ich bin nicht weggelaufen, ich bin noch da. Mehr braucht es nicht.

Die Schwester schließt die Tür. Ich bin wieder allein. Ich höre mein Herz. Es pumpt das Blut durch meine Adern. Was wäre, wenn es plötzlich stehen bliebe? Ich schüttle den Gedanken ab, halte inne. Irgendjemand ruft meinen Namen. Ich zweifle für einen Moment, lausche gespannt. Ja, unverkennbar. Jemand ruft nach mir. Und diesmal war es nicht die Stimme in meinem Kopf. Ich schlüpfe in meine Hausschuhe und gehe langsam zur Zimmertür. Sie ist verschlossen. Kann mich nicht daran erinnern, das Drehen eines Schlüssels im Schloss gehört zu haben. Ich versuche es nochmals. Es wundert mich nicht, dass sich die Tür nunmehr ganz leicht öffnen lässt. Der Schlüssel steckte außen im Schloss. Ich verwerfe alle Gedanken an mögliche Erklärungen. Ich weiß, ich werde keine finden. Nicht jetzt. Ich blicke in den Flur. Meine Blicke tasten die Wände ab. Die flackernden Halogenlampen lassen den Gang unheimlich wirken. Ich bilde mir ein, schleppende Schritte zu hören. Doch es ist nichts zu sehen. Es ist nur die Anspannung, die mit meinen Nerven spielt. Fantasie und Realität kämpfen erneut um die Vorherrschaft. Das flackernde Licht stört mich. Noch nie habe ich dieses Tor zwischen den Welten gemocht. Vorsichtig schleiche ich den Gang entlang; ein paar Türen weiter. Ich bin mir sicher, wieder meinen Namen zu hören. Ich kenne diese Stimme. Meine Neugier versetzt mir einen Stoß und ich greife nach der goldfarbenen Türklinke. …

 

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