Verrückt …

»Wenn ich nicht schon verrückt wäre, dann …«

»Natürlich bist du es. Du bist verrückt. Fernab von ihren Linien. Verrückt von ihren Wegen, die nicht die deinigen sind. Wir haben alle unseren Weg, verrückt und fernab von anderen Wegen. Nur wenige beschreiten ihn. Wenige finden den Mut dazu. Lieber trampeln sie zwanghaft auf fremden Wegen herum, die sie für ihre angestammten und einzig richtigen halten. Sie erklären dich für geistesgestört und krank, weil du nicht in ihre Welt passt. Sie haben nur eine Welt. Und diese beschützen sie mit all ihrer Engstirnigkeit und ihrem vernichtenden Hass. Hass auf das Unbekannte. Hass auf ihre Angst. Angst vor ihrer Angst. Hass darauf, dass sie nicht sehen. Nicht wissen. Wir müssen nicht hinsehen, um zu wissen. Wir müssen uns nicht nach unserem Jäger umdrehen. Wir selbst sind der Jäger. Und wir selbst sind auf der Jagd. Auf der Jagd nach unserem Selbst.«

S. Kerling meets E. A. Poe

 

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Die Equipe – Der letzte Sitzkreis

Sie nickte in sich hinein. »Ja, ich mag ihn.«

»Spinnst du denn nun komplett? Man könnte meinen, dein Gehirn würde längst von der Decke hängen. Dieser Typ, er ignoriert dich – im Übrigen tun das alle! Was kann er denn überhaupt? Nur blöd reden. Er ist nichts weiter als ein Egoist – so wie alle hier. Was habe ich dir über die Männer gesagt? Soll alles umsonst gewesen sein? Ich brauche Popcorn. Viel mehr Popcorn. Der Film nimmt eine erschreckende Wendung.«

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S. Kerling meets E. A. Poe – Meeting I

Ich verliere den Halt und falle zu Boden. Diese verdammten Steine. Meine Lunge brennt. Ich bekomme kaum noch Luft. Ich muss weiter. Nicht umdrehen. Auf gar keinen Fall umdrehen.

Wenn es doch so offensichtlich ist, warum dann dem Grauen ins Angesicht blicken?

Ich weiß es. Kein Zweifel. Ich spüre es. Das Monster. Es ist hinter mir. Ganz nah. Sein modriger Gestank dringt in meine Nase und füllt meine Lunge mit fauligem Atem. Ekel steigt in mir empor; nimmt Besitz von meinem ganzen Körper. Ich möchte raus. Raus aus mir. Raus aus meinem Körper. Nicht mehr gegen das Unvermeidliche ankämpfen. Es wäre ein Leichtes, stehen zu bleiben.

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Kennst Du die Nacht?

Kennst Du die Nacht

mit all ihren Liedern?

Sie dringen an Dein Ohr.

Lausche!

Auf dass es Deine Sinne berausche!

Dieses eine Lied.

Du kennst es bestimmt.

Hast es gehört.

Damals, als Kind.

Hast Dich gefürchtet, Dich versteckt.

Gehofft, dass Dich niemand entdeckt.

Vertraue mir,

hab keine Angst!

Diese Stimmen,

sie gehören zu Dir.

Nein! Nein! Deine Sinne spielen dir ganz sicher einen Streich. Wie sollte es anders sein. Du hast zu wenig geschlafen. Diese Albträume. Sie haben wieder angefangen und jeder weiß, dass einem die Sinne übel mitspielen, wenn man müde ist. Ja, das trifft es. Du bist einfach nicht klar bei Sinnen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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Pic: Pixabay

Reingelegt!

DideldideldumWeißt Du, wovon ich rede? Was ich meine? Du beginnst damit, dir Fragen zu stellen. Du zweifelst an dir. Ein Schatten? Es hat sich etwas bewegt. Ganz sicher. Du kannst es deutlich spüren. Blicke. Ganz sicher. Doch da ist nichts.

»Reingelegt.«

Manchmal kommen sie mit nach Hause. Ja, auch zu dir. Und wenn es ihnen bei dir gefällt, bleiben sie. Sie nisten sich in den Ecken deines Zimmers ein. Du ahnst, dass irgendetwas nicht stimmt. Deine Augen sehen. Deine Ohren hören. Deine Seele weiß es. Doch Dein Gehirn sagt: »Nein, das darf nicht sein.«

Sie sind schnell; immer schneller als du. Sie verstecken sich: Unter deinem Bett, in deinem Kleiderschrank, hinter dem Vorhang … Sie sind hinter dir. Dreh dich ja nicht um. Was ist das für ein Fleck im Spiegel? Vielleicht stecken sie hinter dem Vorhang. Du starrst den Vorhang an. Dahinter bewegt sich etwas. Diesmal bist Du Dir ganz sicher. Nein, es ist doch nur der Wind. Es ist immer nur der Wind.

S. Kerling meets E. A. Poe

Du verlierst den Verstand …

An Schlaf ist längst nicht mehr zu denken. Du lenkst dich ab. Du hast Angst einzuschlafen. Du hast Angst zu träumen. In deinen Träumen kannst du sie sehen. Hier geben sie sich dir zu erkennen. Sie zeigen sich dir in all ihrer Abscheulichkeit. In deinen Träumen bist du wehrlos. Du bist wie erstarrt. Gefangen. Gefesselt von so viel Widerwärtigkeit. Sie spielen mit dir. Sie spielen so gerne. Sie sind wie Kinder. …

Wenn der Wahnsinn schläft …

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Wenn die Nacht endlich ihren schützenden Schleier ausbreitet und man die Geister nur mehr schemenhaft erblickt. Dann, wenn der Wahnsinn schläft. Dann, wenn die Furcht vor der Nacht andere erschaudern lässt. Ja, dann fühle ich mich geborgen.

 

Ich höre mein Herz. Es pumpt das Blut durch meine Adern. Was wäre, wenn es plötzlich stehen bliebe? Ich schüttle den Gedanken ab, halte inne. Irgendjemand ruft meinen Namen. Ich zweifle für einen Moment, lausche gespannt. Ja, unverkennbar. Jemand ruft nach mir. Und diesmal war es nicht die Stimme in meinem Kopf.