Zwinkerbell und Tourette „Blind Date – gemalte Poesie“

Ein gemeinsames Werk von  Andrea R Walla  und mir zum Thema:

BlindDate

Die Meute grölte.
Zeigte mit dem Finger auf sie. Was hatte sie ihnen getan? Was um Gottes willen wurde ihr zur Last gelegt? Sie tat das, wozu sie gerufen wurde. Und nur das. Das, wozu sie dieser jämmerliche Pöbel auserkoren hatte. Damals. Damals hatte man sie gerufen. Sie angefleht, ihnen doch neue Hoffnung zu schenken.

Sie zeigte sich dabei äußerst großzügig. Sie schenkte ihnen das, wonach sie gierten: Geschichten. Wie gern dieses Pack ihren Worten doch lauschte. Niemand wollte die Wahrheit hören. Aus dem einfachen Grund: Niemand hätte sie ertragen. Sie hätten sich selbst nicht ertragen. So passte sie die Geschichten ihren Wirklichkeiten an. Alle waren zufrieden. Kein Alb stiftete Unheil in Träumen. Kein Dunkelelf trieb je ein böses Spiel mit schutzlosen Seelen. Nein, im Herzen reine und nur dem Guten verpflichtete Feen schickte sie in ihre Leben. Elfen klein, im Herzen rein. Brachten allen nur Sonnenschein.

Sie versprach ihnen, dass allein die Liebe siegen würde. Es wäre das Gute, das schlussendlich alles überstrahlen würde und das Böse gäbe es nur in bösen Märchen. Sie erzählte ihnen das, woran sich ihre Seelen laben konnten.Ihre Geschichten verschleierten die Finsternis. Man konnte sie erahnen; die Dunkelheit dahinter sogar sehen. Noch niemand hatte es je gewagt, den Schleier auch nur zu bewegen. So gut es ihr möglich war ließ sie die Schwärze außen vor. Jedoch – der Mob hätte nur einmal hinsehen müssen. Nur ein einziges Mal. Es hätte gereicht, dem Unausweichlichen ins Antlitz zu blicken und sich vorzubereiten. Auf das Offensichtliche.

Doch lieber ließen sie sich von ihr in fremde Welten tragen. Sie gierten danach, zwischen Scheinwelten zu schweben. Welten, die sie zu erschaffen wusste. Geschichten, die nie das Leben geschrieben hätte. Geschichten wurden zu Lügen. Lügen wurden zur einzig akzeptierten Wahrheit. Ihre gemeinsame Wirklichkeit wurde zu der einzig waren Doktrin ernannt. Bis … Nichts war so wie es schien und dies schien nicht zwingend schlecht. Die Masse wollte es so. Doch das alles war nunmehr Geschichte.

Und ich? Mir selbst kommt keine Rolle in dieser Geschichte zuteil. Ich selbst habe diese Geschichte geschrieben. Nur geschrieben. Es findet sich kein Leben zwischen meinen Zeilen. Nur eine Geschichte über die Geschichte einer Elfe mit Geschichten. Einer Elfe, der man die Flügel ausgerissen hatte. Es glich einer Tortur, jede Blume auf herkömmliche Art zu erklimmen. Bei Regen waren ihre Schmerzen besonders schlimm. Da spürte sie die Narben, die man ihr zugefügt hatte. Und nein, es waren nicht nur die Flügel. Es war diese eine Elfe, die keine Elfe sein durfte. Sie durfte nicht fliegen. Sie durfte nicht sein.

Die Zuhörer? Jemand hätte sie retten können, während sie unaufhaltsam dem Abgrund entgegen segelten. Zwinkerbell vielleicht. Vielleicht. Angenommen, sie hätte noch ihre Flügel. Vielleicht dann.
Nun, liebe Leser, auf mich wartet Arbeit. Ich schreibe gerade an einer Geschichte. Es geht um eine Elfe. Ich gebe ihr den Namen Zwinkerbell. Sie hat da so ein Leiden … Nicht immer. Je nach Anspannung. Mal mehr, mehr weniger. Nur wenn sie Geschichten erzählt, ja, dann bleibt ihr Tic aus. Sie schafft es, nahezu ganze Welten zu erschaffen und andere wiederum zu vernichten. Dann ist es für andere nicht fassbar.

Dann ist sie normal … Kein störender Tic. Nichts. Aber das, meine werten Leser, ist eine andere Geschichte.

Vor dem Aufprall – fast schon zu spät – zwinkerte ihnen Zwinkerbell zu: »Guten Flug.«

***

Text ©Svea Kerling
Bild ©Andrea R Walla

Die Idee hinter ‪#‎BlindDate‬ ist es, dass weder der Poet noch ich sehen, was zu dem Thema geschrieben bzw gemalt wird und am Ende ein gemeinsames Werk ensteht – ein Blind Date.
Viel Spaß

Alle bisherigen Blind Dates gibt es auch als FineArtPrint und das hier folgt die nächsten Tage.
https://goo.gl/snHPiV

https://spielweltblog.wordpress.com/

und hier in der Übersicht
http://www.andrea-r-walla.com/blind_date.html

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